Was ist die TNFD?

Die TNFD (Taskforce on Nature-related Financial Disclosures) bietet Unternehmen einen Rahmen zur Bewertung, Steuerung und Offenlegung ihrer Auswirkungen auf die Natur sowie ihrer Abhängigkeiten von ihr. Inspiriert von der TCFD zielt sie darauf ab, Biodiversitätsaspekte in Finanzstrategien zu integrieren. Ihre Empfehlungen basieren auf wissenschaftlichen Prinzipien und dem LEAP-Ansatz.

Matthieu Duault
Climate Copywriter
Publication : 
22.11.2024
Inhaltsverzeichnis
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Während Unternehmen und Finanzakteure heute über eine breite Palette an Rahmenwerken und Methoden für die Berichterstattung zu Treibhausgasemissionen und deren Auswirkungen verfügen, mangelt es bei Themen rund um Biodiversität und Natur im Allgemeinen noch an Ressourcen. Dabei gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung, wie das neue Gesetz zur Wiederherstellung der Natur zeigt, das von der Europäischen Union verabschiedet wurde.

Um diese Lücke zu schließen, wurde die Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD)ins Leben gerufen – eine globale Initiative, die Unternehmen und Finanzinstitute dazu ermutigen soll, ihre Auswirkungen auf die Natur sowie ihre Risiken im Zusammenhang mit der Biodiversität zu bewerten, zu steuern und offenzulegen. Sie soll bestehende Leitlinien zur Umweltransparenz ergänzen und orientiert sich dabei am Modell der Taskforce on Climate-related Financial Disclosures (TCFD).

Die TNFD konzentriert sich auf die Verringerung des Biodiversitätsverlusts, indem sie ökosystemspezifische Methoden in die Risikoanalyse- und Managementprozesse von Unternehmen und Investoren integriert. Das Ziel ist zweigeteilt: nachhaltige Praktiken fördern und gleichzeitig die Transparenz sowie die Information der Stakeholder verbessern.

Hintergrund und Geschichte der TNFD

Die Gründung der TNFD ist in einem globalen Kontext des Biodiversitätsverlusts zu sehen. Das beschleunigte Artensterben, der Verlust natürlicher Lebensräume und die Bedrohung essenzieller Ökosysteme führen zu erheblichen wirtschaftlichen Risiken. Zu diesen Gefahren zählen Unterbrechungen der Lieferketten, steigende Rohstoffkosten sowie Verluste für zahlreiche Wirtschaftszweige, die von der Natur abhängig sind – allen voran die Landwirtschaft und Fischerei, die für die weltweite Ernährungssicherheit von zentraler Bedeutung sind.

Hinzu kommt ein wachsendes Bewusstsein bei Investoren und Unternehmen: Naturrisiken müssen ebenso wie Klimarisiken in das Finanzmanagement integriert werden. Indem die TNFD Unternehmen einen gemeinsamen Rahmen zur Messung und Berichterstattung ihrer Auswirkungen auf die Natur und ihrer Abhängigkeit von ihr bietet, soll sie – ähnlich wie die Klimaberichtserstattung – eine bessere Identifizierung von Naturrisiken ermöglichen und gleichzeitig Chancen für Naturschutz und nachhaltige Innovationen aufzeigen.

Die TNFD wurde im Juli 2020 ins Leben gerufen, getragen von vier großen internationalen Organisationen: dem UNDP (Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen), der UNEP FI (Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen), dem World Wide Fund For Nature (WWF) und Global Canopy.

Diese vier Akteure bildeten eine Arbeitsgruppe, die ursprünglich aus 75 Mitgliedern bestand, darunter 8 Regierungen, 18 Konsortien sowie 49 Vertreter von Unternehmen und Finanzinstituten (Banken, Versicherungen, Investmentfonds usw.), die weltweit tätig sind. Das Ziel dieser ersten Arbeitsgruppe war es:

  • Unternehmen und Investoren zu sensibilisieren für die Bedeutung von Risiken im Zusammenhang mit der Biodiversität.
  • Standards und Indikatoren festzulegen zur Erleichterung der Risikobewertung.
  • Fundierte Entscheidungsfindung fördern im Bereich Nachhaltigkeit, um den Erhalt der Biodiversität zu unterstützen.
  • Wirtschaftliche Chancen fördern in den Bereichen ökologische Wiederherstellung und naturbasierte Lösungen.

Im Jahr 2021 wurde die Arbeit an eine neue Gruppe von 40 Mitgliedern übergeben, die hauptsächlich aus privaten Akteuren wie internationalen Finanzinstituten, transnationalen Unternehmen und Dienstleistern besteht, die weltweit ein Vermögen von insgesamt 20,6 Billionen Dollar verwalten. Ihr vorrangiges Ziel war die Entwicklung eines klaren und zugänglichen Rahmens, der es Unternehmen und Finanzinstituten ermöglicht, ihre Auswirkungen auf die Natur sowie ihre Abhängigkeiten von ihr zu bewerten, offenzulegen und zu mindern. Hierfür arbeiten sie mit zahlreichen öffentlichen und institutionellen Akteuren sowie Umweltexperten zusammen, wie etwa der Weltnaturschutzunion (IUCN), dem CDP, demISSB, der EFRAG oder der UNSD.

Nach einer langen Phase der Arbeit und Konsultationen wurde der endgültige Rahmen von der Organisation im September 2023 veröffentlicht.

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Arbeitsmethoden und Offenlegungsrahmen der TNFD

Die TNFD bietet eine Reihe strukturierter Empfehlungen, um Unternehmen und Finanzdienstleister dabei zu unterstützen, ihre Auswirkungen auf die Natur und ihre Abhängigkeiten von ihr transparent offenzulegen. Diese 14 Empfehlungen sind in vier Hauptpfeiler unterteilt und stützen sich auf einen strukturierten Analyserahmen, den LEAP-Ansatz, der darauf ausgelegt ist, die Bewertung von naturbezogenen Risiken und Chancen zu standardisieren.

Eine Methode, die auf 7 Grundprinzipien basiert

Die Empfehlungen der TNFD basieren auf sieben Schlüsselprinzipien, die darauf abzielen, den Rahmen zugänglich, wissenschaftlich fundiert und an die vielfältigen Herausforderungen und Regionen der Welt anpassbar zu gestalten.

1- Markttauglichkeit : Die TNFD hat ihre Empfehlungen so konzipiert, dass sie direkt von Marktakteuren wie Unternehmen, Finanzinstituten und politischen Entscheidungsträgern genutzt werden können. Dies stellt sicher, dass der Rahmen sowohl zugänglich als auch für die praktische Anwendung operativ umsetzbar ist.

2 - Wissenschaftliche Fundierung : Die bereitgestellten Informationen müssen auf etablierten oder aufkommenden wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Diese solide wissenschaftliche Basis gewährleistet die Relevanz der Bewertungen und der geteilten Informationen.

3 - Naturbezogene Risiken : Die TNFD betont, wie wichtig es ist, naturbezogene Risiken zu berücksichtigen. Dies umfasst nicht nur unmittelbare finanzielle und materielle Risiken, sondern auch solche, die sich aus der Abhängigkeit von Organisationen und der Gesellschaft von Ökosystemen ergeben.

4 - Zielorientierung : Der Rahmen zielt darauf ab, Risiken für die Natur zu verringern und positive Auswirkungen zu fördern, wobei der erforderliche Detaillierungsgrad auf das für die Zielerreichung notwendige Minimum beschränkt bleibt.

5 - Integriert und anpassungsfähig : Der TNFD-Rahmen ist so konzipiert, dass er sich problemlos in bestehende Umweltnormen und Standards für die nichtfinanzielle Berichterstattung integrieren und an diese anpassen lässt.

6- Verknüpfung von Klima und Natur : Im Bewusstsein der Wechselwirkungen zwischen Natur und Klima fördert der von der TNFD entwickelte Rahmen einen integrierten Ansatz. Er unterstützt naturbasierte Lösungen und stärkt die Verbindung zwischen Klimathemen und Fragen der Biodiversität.

7 - Globale Inklusion : Schließlich setzt sich die TNFD dafür ein, dass ihr Rahmen weltweit relevant und für alle zugänglich ist – sowohl für Schwellenländer als auch für Industrienationen –, um eine breite und inklusive Anwendung zu gewährleisten.

Die 4 Säulen der Taskforce on Nature-related Financial Disclosures

Die Empfehlungen der TNFD basieren auf vier Säulen, die an die der Taskforce on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) angelehnt, jedoch an die spezifischen Herausforderungen von Natur und Biodiversität angepasst sind. Diese Säulen dienen als Struktur, um Unternehmen bei der Offenlegung naturbezogener Informationen zu unterstützen.

📊 Veröffentlichungsempfehlungen der TNFD

Liste der Säulen und Empfehlungen der TNFD zur Veröffentlichung naturbezogener Informationen.

Governance Strategie Risiko- und Auswirkungsmanagement Indikatoren und Ziele
Offenlegung der Governance der Organisation hinsichtlich naturbezogener Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen. Offenlegung der Auswirkungen naturbezogener Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen auf das Geschäftsmodell, die Strategie und die Finanzplanung der Organisation, sofern diese Informationen wesentlich sind. Beschreibung der von der Organisation verwendeten Prozesse zur Identifizierung, Bewertung, Priorisierung und Überwachung naturbezogener Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen. Offenlegung der Indikatoren und Ziele, die zur Bewertung und Steuerung wesentlicher naturbezogener Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen verwendet werden.
Zu veröffentlichende Informationen A. Beschreibung der Aufsicht durch den Vorstand über naturbezogene Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen.

B. Beschreibung der Rolle der Geschäftsleitung bei der Bewertung und Steuerung naturbezogener Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen.

C. Beschreibung der Menschenrechtspolitik der Organisation und ihrer Beteiligungsaktivitäten sowie der Aufsicht durch Vorstand und Geschäftsleitung im Hinblick auf indigene Völker, lokale Gemeinschaften, betroffene Stakeholder und andere bei der Bewertung und Reaktion der Organisation auf naturbezogene Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen.
Zu veröffentlichende Informationen A. Beschreibung der von der Organisation identifizierten naturbezogenen Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen kurz-, mittel- und langfristig.

B. Beschreibung der Auswirkung naturbezogener Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen auf das Geschäftsmodell, die Wertschöpfungskette, die Strategie und die Finanzplanung der Organisation sowie aller vorhandenen Übergangspläne oder Analysen.

C. Beschreibung der Widerstandsfähigkeit der Strategie der Organisation gegenüber naturbezogenen Risiken und Chancen unter Berücksichtigung verschiedener Szenarien.

D. Offenlegung des Standorts von Vermögenswerten und/oder Tätigkeiten in den direkten Geschäftstätigkeiten der Organisation und, soweit möglich, in ihrer vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette, die den Kriterien für Prioritätsgebiete entsprechen.
Zu veröffentlichende Informationen A(i). Beschreibung der Prozesse der Organisation zur Identifizierung, Bewertung und Priorisierung naturbezogener Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen in ihren direkten Geschäftstätigkeiten.

A(ii). Beschreibung der Prozesse der Organisation zur Identifizierung, Bewertung und Priorisierung naturbezogener Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen in ihrer vor- und/oder nachgelagerten Wertschöpfungskette.

B. Beschreibung der Prozesse der Organisation zur Steuerung naturbezogener Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen.

C. Beschreibung, wie die Prozesse zur Identifizierung, Bewertung, Priorisierung und Überwachung naturbezogener Risiken in die übergreifenden Risikomanagementprozesse der Organisation integriert sind und in diese einfließen.
Zu veröffentlichende Informationen A. Offenlegung der von der Organisation verwendeten Indikatoren zur Bewertung und Steuerung wesentlicher naturbezogener Risiken und Chancen im Einklang mit ihrer Strategie und ihrem Risikomanagementprozess.

B. Offenlegung der von der Organisation verwendeten Indikatoren zur Bewertung und Steuerung ihrer Abhängigkeiten und Auswirkungen auf die Natur.

C. Beschreibung der von der Organisation verwendeten Ziele und Vorgaben zur Steuerung naturbezogener Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen sowie ihrer diesbezüglichen Leistung.

1 - Governance

Hierbei wird beschrieben, wie der Verwaltungsrat oder die Geschäftsführung die naturbezogenen Auswirkungen, Risiken und Chancen überwacht, bewertet und steuert. Zudem werden die Verpflichtungen gegenüber lokalen Gemeinschaften, indigenen Völkern und anderen Interessengruppen dargelegt, die direkt von den getroffenen Entscheidungen sowie der Strategie zum Umgang mit diesen Risiken und Chancen betroffen sind.

2 - Strategie

Unternehmen müssen die naturbezogenen Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen offenlegen, die sich potenziell auf ihre Strategie, ihr Geschäftsmodell und ihre Finanzplanung auswirken könnten. Diese Säule verdeutlicht, wie die Natur den Geschäftsbetrieb, die Lieferketten und die mittel- bis langfristige Planung beeinflusst sowie wie resilient das Unternehmen gegenüber verschiedenen Szenarien aufgestellt ist.

3 - Risiko- und Wirkungsmanagement

Diese Säule konzentriert sich auf die Prozesse zur Identifizierung, Bewertung und Steuerung naturbezogener Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen. Ziel ist es sicherzustellen, dass Unternehmen ihre Exposition gegenüber dem Verlust der biologischen Vielfalt rigoros bewerten und diese Risiken in ihr gesamtes Risikomanagementsystem integrieren. Dies umfasst sowohl die direkten Geschäftsaktivitäten als auch die vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette.

4 - Kennzahlen und Ziele

In diesem Abschnitt müssen Organisationen die Kennzahlen darlegen, die sie zur Bewertung ihrer naturbezogenen Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen heranziehen. Zudem müssen sie ihre gesetzten Ziele sowie den aktuellen Leistungsstand im Hinblick auf diese Ziele angeben.

Die allgemeinen Anforderungen der TNFD

Zusätzlich zu den 14 Empfehlungen hat die TNFD 6 allgemeine Anforderungen formuliert, die die allgemeinen Verpflichtungen des IFRS-S1-Standards des ISSB ergänzen. Diese gelten für alle 4 Säulen, um die Qualität und Konsistenz der in den Berichten offengelegten Informationen zu gewährleisten. Organisationen, die ihre Berichterstattung am TNFD-Rahmenwerk ausrichten, müssen diese Anforderungen zwingend berücksichtigen.

Für jede der Säulen müssen Unternehmen daher Folgendes berücksichtigen:

  • Anwendung des Wesentlichkeitsprinzips
  • Umfang der Offenlegung
  • Lokalisierung naturbezogener Themen
  • Integration in andere Nachhaltigkeitsberichte
  • Berücksichtigte Zeithorizonte
  • Einbeziehung indigener Völker, lokaler Gemeinschaften und betroffener Interessengruppen bei der Identifizierung und Analyse naturbezogener Themen des Unternehmens

Der LEAP-Ansatz: Der von der TNFD bevorzugte Analyserahmen

Um Unternehmen bei der Analyse ihrer naturbezogenen Risiken zu unterstützen, hat die TNFD den Ansatz LEAPentwickelt. Diese universelle und iterative Arbeitsmethode ermöglicht eine systematische Untersuchung der Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen Aktivitäten und natürlichen Ökosystemen.

Darstellung der LEAP-Methode

Die LEAP-Methode besteht aus vier Schritten:

1 - Locate (Lokalisieren)

Der erste Schritt besteht darin, die eigenen Aktivitäten sowie die der Wertschöpfungskette präzise zu kartieren, um anschließend spezifische Standorte zu identifizieren, die mit der Natur interagieren, diese beeinflussen oder in moderatem bis hohem Maße von ihr abhängig sind. Dieser Schritt ermöglicht die Lokalisierung von Risikozonen und Wirkungsbereichen innerhalb spezifischer Biome.

2 - Evaluate (Bewerten)

In der zweiten Phase erfolgt eine Wesentlichkeitsanalyse sowie die Untersuchung der Abhängigkeiten und Auswirkungen des Unternehmens auf die Natur in den identifizierten Gebieten, einschließlich der Ökosystemleistungen, die das Unternehmen an den jeweiligen Standorten in Anspruch nimmt. Dies beinhaltet eine Bewertung der Auswirkungen und Abhängigkeiten des Unternehmens und seiner Wertschöpfungskette in Bezug auf die Biodiversität sowie eine erste Einschätzung der Schwere dieser Auswirkungen.

3 - Assess (Analysieren)

In diesem dritten Schritt muss das Unternehmen das Ausmaß der Risiken und Chancen bewerten, die mit den zuvor identifizierten Auswirkungen und Abhängigkeiten verbunden sind. Zudem gilt es, diese Risiken und Chancen nach ihrem potenziellen Einfluss zu priorisieren. Abschließend analysiert das Unternehmen die bereits ergriffenen Anpassungsmaßnahmen zur Risikominderung und justiert diese auf Basis der ersten Ergebnisse nach.

4 - Prepare (Vorbereiten)

Der letzte Teil besteht in der Erarbeitung einer Strategie für Maßnahmen und Offenlegung. Hierfür müssen Indikatoren und Ziele definiert werden, um die Entwicklung der Unternehmensleistung zu verfolgen. Zudem gilt es, über das Format der Berichterstattung und die öffentlich zugänglich zu machenden Daten zu entscheiden. Dieser letzte Schritt stellt sicher, dass das Unternehmen bereit ist, seine Interaktionen mit der Natur effektiv und transparent zu kommunizieren.

Der LEAP-Ansatz ist ein strukturierendes Instrument für Unternehmen, die ihre Praktiken an den Empfehlungen der TNFD ausrichten möchten. Er hilft dabei, die spezifischen Wechselwirkungen des Unternehmens mit der Natur aufzuzeigen und Strategien entsprechend anzupassen. Er ist so konzipiert, dass er nicht nur für alle Organisationen unabhängig von ihrer Branche anpassbar ist, sondern auch als Referenzmethode für andere Berichtsformate, wie etwa die CSRD, dienen soll.

Spezifische Empfehlungen nach Wirtschaftssektor und Biom

Neben den allgemeinen Empfehlungen bietet die TNFD auch spezifische Empfehlungen nach Sektoren sowie nach Biomenan. Die Vielfalt der wirtschaftlichen Aktivitäten und der natürlichen Lebensräume erfordert einen differenzierten Ansatz, um ein angemessenes Management der biodiversitätsbezogenen Risiken zu gewährleisten. Daher hat die TNFD Folgendes entwickelt:

Sektorspezifische Empfehlungen

Bestimmte Branchen wie die Landwirtschaft, der Bergbau oder die Forstwirtschaft haben direkte und erhebliche Auswirkungen auf die Natur, die eine gesonderte Analyse erfordern. Andere Sektoren, wie etwa die Finanzbranche, sind durch ihre Investitionen in Branchen mit hohen Auswirkungen indirekt biodiversitätsbezogenen Risiken ausgesetzt und werden daher ebenfalls differenziert betrachtet. Die TNFD bietet für jeden dieser Sektoren angepasste Leitlinien an, um eine präzise und relevante Risikobewertung sowie Berichterstattung zu ermöglichen.

Bislang hat die TNFD spezifische Empfehlungen für 9 Wirtschaftssektoren veröffentlicht:

  • Metalle und Bergbau
  • Energieversorger und Stromerzeuger
  • Finanzinstitute
  • Chemische Industrie
  • Ernährung und Landwirtschaft
  • Öl und Gas
  • Forstwirtschaft, Zellstoff und Papier
  • Aquakultur
  • Biotechnologie und Pharmazeutik

Die Empfehlungen für 5 weitere Sektoren befinden sich derzeit in der Entwicklung:

  • Fischerei
  • Ingenieurwesen, Bauwirtschaft und Immobilien
  • Baustoffe
  • Getränke
  • Bekleidung, Accessoires und Schuhe

Empfehlungen nach Biomen

Art und Intensität der natürlichen Risiken variieren je nach Ökosystemtyp (tropische Wälder, Feuchtgebiete, Korallenriffe usw.). Die TNFD hat daher auch spezifische Leitlinien für Unternehmen definiert, die in sensiblen Biomen tätig sind oder stark von diesen abhängen, wobei die ökologischen Besonderheiten und die mit der Degradation jedes Lebensraumtyps verbundenen Risiken berücksichtigt werden.

Diese Empfehlungen decken derzeit 6 Biome ab, die in 3 Kategorien unterteilt sind:

  • Land
    • Tropische und subtropische Wälder
    • Savannen und Grasland
    • Intensiv genutzte Landschaften
    • Städtische und industrielle Ökosysteme
  • Süßwasser
    • Flüsse und Bäche
  • Ozeane
    • Kontinentalschelf

Diese Empfehlungen bieten eine Übersicht der Sektoren und der damit eng verbundenen Aktivitäten sowie eine Beschreibung der Ökosystemleistungen dieser Biome. Sie enthalten zudem einen präzisen Analyserahmen zur Identifizierung und Steuerung von Auswirkungen, Abhängigkeiten, Risiken und Chancen in Bezug auf die jeweiligen Biome.

Wie sieht es mit der Interoperabilität zur CSRD und anderen internationalen Standards aus?

Gemäß ihren selbst gesetzten Prinzipien hat die Taskforce on Nature-related Financial Disclosure ihre Empfehlungen und Methodik so konzipiert, dass diese als Referenzmethode für die Offenlegung von Informationen für die meisten internationalen Standards der nichtfinanziellen Berichterstattung dienen können.

Der von der TNFD vorgeschlagene methodische Rahmen, insbesondere die LEAP-Methode, soll dazu beitragen, die Anforderungen desESRS-E4 (Biodiversität und Ökosysteme) der CSRD zu erfüllen, insbesondere im Hinblick auf die Offenlegung von Informationen zur Antizipation und Schätzung der finanziellen Auswirkungen naturbezogener Risiken und Chancen.

EFRAG und TNFD haben zudem bereits eine Entsprechungstabelle zwischen ihren beiden Ansätzen veröffentlicht, die den hohen Grad an Interoperabilität zwischen den TNFD-Empfehlungen und dem europäischen Rahmen für die nichtfinanzielle Berichterstattung verdeutlicht.

Dennoch ist ein wesentlicher Unterschied zu beachten. Während die CSRD das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit als Grundlage jeder Analyse voraussetzt, stützt sich die TNFD auf eine einfache Wesentlichkeit. Dieser Unterschied kann dazu führen, dass Unternehmen, die sich auf den TNFD-Rahmen stützen, den Umfang der Informationen unterschätzen, die sie im Rahmen ihrer CSRD-Berichterstattung offenlegen müssen.

Die TNFD arbeitet zudem eng mit dem ISSB zusammen, um die bereits geleistete Arbeit an den IFRS S1- und IFRS S2-Standards für Klimathemen zu erweitern. Ziel ist die Veröffentlichung neuer Berichterstattungsstandards, die sich diesmal auf Biodiversitätsthemen konzentrieren. Beide Organisationen stehen sich sehr nahe, insbesondere seit der Übernahme der TCFD durch die IFRS-Stiftung im Dezember 2023.

Methodik und Ansatz in der Kritik

Die TNFD sah sich mit einer Beschwerde mehrerer NGOs konfrontiert, die ihren rein auf finanzieller Wesentlichkeit basierenden Ansatz kritisieren.

Diese Organisationen werfen der TNFD – wie auch anderen Erstellern von Standards für die nicht-finanzielle Berichterstattung – vor, lediglich die Auswirkungen von Natur- und Klimarisiken auf die finanzielle Performance und die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens zu berücksichtigen. Im Gegensatz dazu fordert das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit Organisationen dazu auf, nicht nur die finanziellen Auswirkungen, sondern auch die Auswirkungen ihrer eigenen Aktivitäten auf die Natur einzubeziehen.

Zahlreichen Wirtschaftsakteuren und Verbänden zufolge schadet die Beschränkung der Analyse auf die einfache Wesentlichkeit der heute unerlässlichen ökologischen Transparenz. Dieser Ansatz ermöglicht es Unternehmen, den Umfang der Offenlegung ihrer ökologischen Auswirkungen einzuschränken, was das Risiko von Greenwashing birgt. Durch die Ausrichtung an den Empfehlungen der TNFD können Unternehmen vorgeben, sich für die Biodiversität einzusetzen, ohne die direkten und indirekten Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf die Ökosysteme vollständig zu bewerten.

Diese Frage der Wesentlichkeit stellt zudem einen wesentlichen und häufig diskutierten Streitpunkt zwischen der CSRD und der GRI, die einen Ansatz der doppelten Wesentlichkeit verfolgen, und dem ISSB dar, der eine rein auf finanzielle Wesentlichkeit ausgerichtete Sichtweise bevorzugt.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die TNFD einen bedeutenden Fortschritt bei der Integration von Biodiversitäts- und Naturthemen in die Strategien von Unternehmen und Finanzinstituten darstellt. Ihr methodischer Rahmen bietet konkrete Empfehlungen zur Bewertung und Steuerung ökosystembezogener Risiken und fördert eine höhere Transparenz.

Ihr auf finanzieller Wesentlichkeit basierender Ansatz steht jedoch in der Kritik, da er den Umfang der offengelegten Informationen einschränken könnte, was bei einigen Beobachtern die Sorge vor Greenwashing schürt. Die Divergenz zur doppelten Wesentlichkeit, wie sie bei Standards wie der CSRD angewandt wird, verdeutlicht eine für die Zukunft der nachhaltigen Finanzwirtschaft grundlegende Debatte. Geht es lediglich darum, Umweltveränderungen vorherzusehen, oder darum, aktiv zu handeln, um deren Auswirkungen zu begrenzen?

Trotz dieser Herausforderungen legt die TNFD den Grundstein für eine strukturierte Berichterstattung und trägt dazu bei, das Bewusstsein der Unternehmen für ihre Rolle beim Erhalt der Biodiversität zu schärfen.

 

Quellen: