🔎 Das Wichtigste auf einen Blick
- Die CSDS bilden den künftigen chinesischen Rahmen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung, der 2024 vorgestellt wurde und bis 2030 vollständig einsatzbereit sein soll.
- Sie wurden im Einklang mit den ESRS und IFRS-S konzipiertund basieren auf einem Ansatz der doppelten Wesentlichkeit, mit dem Ziel einer hohen Interoperabilität mit internationalen Standards.
- Ihr Anwendungsbereich wird schrittweise ausgeweitet – von großen börsennotierten Unternehmen bis hin zu KMU – wobei der Übergang von freiwilligen zu verpflichtenden Angaben, insbesondere im Klimabereich, erfolgt.
- Europäische multinationale Unternehmen sind direkt und indirekt betroffen, sei es über ihre chinesischen Tochtergesellschaften oder ihre Lieferketten, wodurch ESG-Reporting zu einem entscheidenden Faktor für den Zugang zum chinesischen Markt wird.
Vor dem Hintergrund der zunehmenden Verbreitung von Nachhaltigkeitsberichten in Asien hat China 2024 seinen eigenen Entwurf für entsprechende Standards vorgelegt. Die CSDS (Chinese Sustainability Reporting Standards) zielen darauf ab, die ESG-Publikationen chinesischer Unternehmen an internationale Normen anzupassen. Die Standards wurden im Einklang mit den IFRS-S und ESRS entwickelt, sollen schrittweise ausgebaut werden und bis 2030 vollständig in Kraft treten. Anwendungsbereich, Interoperabilität und Auswirkungen für europäische Konzerne: Erfahren Sie alles, was Sie über die CSDS wissen müssen.
Was sind die CSDS?
Die CSDS sind die künftigen chinesischen Standards für die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen. Ihre Einführung wurde in einer Mitteilung des chinesischen Finanzministeriumsvom 27. Mai 2024 bekannt gegeben. Dabei handelte es sich um eine Aufforderung zur Stellungnahme zu einer ersten Version eines Basisstandards, begleitet von einem Dokument mit den Leitlinien für die Entwicklung der CSDS. Eine offizielle Testversion des Basisstandards wurde anschließend am 17. Dezember 2024 veröffentlicht. Darauf folgte die erste themenspezifische Norm – zum Thema Klima –, deren Testversion am 25. Dezember 2025 vorgestellt wurde.
Das künftige chinesische System für die nichtfinanzielle Berichterstattung wird in drei Standardkategorien unterteilt:
- Der Basisstandard: Ähnlich wie der übergreifende Standard ESRS 1 beschreibt er die grundlegenden Prinzipien, Ziele und allgemeinen Anforderungen der CSDS.
- Die thematischen Standards: Sie beschreiben die Offenlegungspflichten zu verschiedenen Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen.
- Die Anwendungsleitfäden: Diese sektorbezogenen und sektorübergreifenden Leitfäden unterstützen Unternehmen bei der Auslegung und Anwendung der CSDS-Standards.
Das chinesische Projekt für Nachhaltigkeitsstandards zielt darauf ab, die Veröffentlichung von ESG-Informationen im eigenen Land zu vereinheitlichen und deren Qualität zu verbessern. Durch die Schaffung eines transparenteren Rahmens, der mit internationalen Standards im Einklang steht, möchte China die Attraktivität seines Marktes steigern für ausländische Investoren.
Im weiteren Sinne verfolgen die CSDS das Ziel, eine nachhaltige Unternehmensentwicklung zu fördern. Sie dienen zudem den Klimazielen Pekings, nämlich den Emissionshöhepunkt bis 2030 zu erreichen und bis 2060 klimaneutral zu werden.
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An wen richten sich die CSDS?
Langfristig sollen die CSDS für die Mehrheit der in China ansässigen Unternehmen gelten. Das Finanzministerium hat mitgeteilt, dass die Standards schrittweise von börsennotierten auf nicht börsennotierte Unternehmen sowie von Großunternehmen auf KMU ausgeweitet werden sollen. Bisher wurden weder ein genauer Zeitplan noch Schwellenwerte bekannt gegeben. Das Ministerium betont, dass die Anwendung der Nachhaltigkeitsstandards zunächst in Schlüsselbranchen priorisiert werden soll. Zudem ist eine anfängliche Pilotphase geplant.
Zunächst werden Großunternehmen dazu ermutigt, die CSDS auf freiwilliger Basis umzusetzen. Ziel ist ein schrittweiser Übergang von qualitativen zu quantitativen Anforderungen sowie von der freiwilligen zur verpflichtenden Berichterstattung. Trotz des fehlenden Zeitplans hat die chinesische Regierung einige Eckdaten genannt. So ist die Veröffentlichung erster Standards, insbesondere für die Klimaberichterstattung, bis 2027 vorgesehen. Das chinesische Nachhaltigkeitsstandardsystem als Ganzes soll bis 2030 einsatzbereit sein.
Wie kompatibel ist der chinesische Ansatz mit internationalen Standards?
Das CSDS-Projekt ist maßgeblich von den internationalen ESG-Berichtstandardsinspiriert. Es weist insbesondere starke Konvergenzen mit den Standards der Initiative ISSB (International Sustainability Standards Board). Der Basisstandard verweist in seiner Kommunikation direkt auf IFRS-S1. Dort ist zu lesen, dass die CSDS-Leitlinien weitgehend mit dessen allgemeinen Offenlegungsanforderungen übereinstimmen. Der Entwurf der chinesischen ESG-Reporting-Standards weicht jedoch in einem wesentlichen Punkt vom ISSB ab: der Wesentlichkeitsanalyse.
Die CSDS verfolgen nämlich einen Ansatz der doppelten Wesentlichkeit, ähnlich wie die ESRS der CSRD. Der Entwurf sieht zudem vor, zahlreiche Themen zu behandeln, die mit den drei großen ESG-Bereichen verknüpft sind. Aktuell ist von 12 Nachhaltigkeitsthemen die Rede, für die eigene Standards entwickelt werden könnten. Die 5 genannten Umweltthemen und das Governance-Thema beziehen sich direkt auf die geltenden themenspezifischen ESRS. Die 6 sozialen Themen scheinen weitgehend die ESRS S abzudecken, zielen aber auch auf Bereiche wie die ländliche Revitalisierung und den sozialen Beitrag ab.
Es ist daher mit einer relativ starken Interoperabilität zwischen den chinesischen Nachhaltigkeitsstandards, den ESRS und den IFRS-S (für das Klimareporting) zu rechnen. Was die GRI (Global Reporting Initiative) betrifft, könnte die Beziehung ähnlich ausfallen wie bei den ESRS vor dem Omnibus I. Ein CSDS-Reporting würde es somit ermöglichen, weitgehend im Einklang mit einem GRI-Reporting zu stehen. Die Umkehrung gilt jedoch nicht, da die GRI trotz der Vielzahl abgedeckter Themen nur die Auswirkungs-Wesentlichkeit berücksichtigt.
Für einen besseren Überblick über die Unterschiede zwischen den CSDS und den internationalen Standards lesen Sie unseren Vergleich der Standards für die nichtfinanzielle Berichterstattung.
Welche Auswirkungen ergeben sich für europäische multinationale Unternehmen?
Die schrittweise Einführung der CSDS-Nachhaltigkeitsstandards könnte je nach Geschäftstätigkeit erhebliche Auswirkungen auf europäische multinationale Unternehmenhaben.
Direktes ESG-Reporting für chinesische Tochtergesellschaften
Zunächst einmal müssen Unternehmen, die über Niederlassungen in China sind direkt betroffen. Diese müssen in den kommenden Jahren eine obligatorische ESG-Berichterstattung auf Basis chinesischer Standards erstellen. Im Gegensatz zur CSRD scheint der CSDS-Entwurf konsolidierte Berichte auf Konzernebene derzeit auszuschließen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass chinesische Tochtergesellschaften bestimmte Daten ihrer europäischen Muttergesellschaften benötigen, um ihre Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen.
Indirekte Compliance für den Marktzugang in China
Die Pekinger Standards zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen könnten sich auch auf Unternehmen auswirken, die chinesische Kunden oder Lieferantenhaben. Durch einen Dominoeffekt könnten die berichtspflichtigen Unternehmen eine Reihe von ESG-Informationen von ihren internationalen Partnern anfordern. In diesem Kontext bietet die Anpassung der Datenerfassung und die freiwillige Einhaltung der chinesischen Normen einen erheblichen Wettbewerbsvorteil.
Die eigene ESG-Berichterstattungserfahrung für einen kontrollierten Übergang nutzen
Auch wenn die Vorbereitung auf den neuen CSDS-Berichtsrahmen ein umfangreiches Projekt darstellt, können europäische multinationale Unternehmen ihre Erfahrung in der ESG-Berichterstattung gewinnbringend einsetzen. Unternehmen der ersten CSRD-Welle, die bereits einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht haben, sind hier klar im Vorteil. Aber auch Unternehmen der zweiten Welle konnten sich – unabhängig davon, ob sie letztlich von der Berichtspflicht befreit werden oder nicht – intern auf ähnliche Offenlegungsanforderungen vorbereiten.
Darüber hinaus haben europäische Unternehmen die Möglichkeit, auf andere regulatorische oder freiwillige Berichtsrahmen zurückzugreifen. Die über CDP -Fragebögen erhobenen Daten sind beispielsweise eine wertvolle Ressource für Nachhaltigkeitsindikatoren in den Bereichen CO2 und Umwelt.
Ein ehrgeiziges Projekt mit gewissen Grenzen
Das angestrebte Transparenzniveau der CSDS, die Interoperabilität mit internationalen Standards sowie die Anwendung der doppelten Wesentlichkeit sind starke Signale. Die chinesischen Offenlegungsstandards weisen jedoch mehrere Einschränkungen auf, die bei Nutzern von ESG-Informationen Fragen aufwerfen könnten. Zu nennen ist insbesondere das Fehlen eines definierten Prüfungsniveaus.
Die Prüfung durch einen externen Wirtschaftsprüfer ist derzeit freiwillig, im Gegensatz zu den Anforderungen der CSRD. Während die europäische Richtlinie zudem auf supranationaler Ebene geregelt wird, hat China die volle Befugnis, die CSDS jederzeit zu ändern. Schließlich stellen das Fehlen von Schwellenwerten und ein unklarer Zeitplan derzeit eine erhebliche Unsicherheit für Unternehmen und Investoren dar.
Fazit
Die Ankündigung des CSDS-Entwurfs hat in der Welt der ESG-Berichterstattung für ein echtes Beben gesorgt. Während die USA einen offenen Klimaskeptizismus an den Tag legen und die EU ihre Ambitionen bei der CSRD zurückschraubt, schwimmt China gegen den Strom. Die Veröffentlichung der chinesischen Nachhaltigkeitsstandards könnte die Karten neu mischen und Peking als einen der Vorreiter in der nichtfinanziellen Berichterstattung positionieren.
Natürlich bleibt abzuwarten, wie die verschiedenen thematischen Standards und die damit verbundenen Nachhaltigkeitsindikatoren ausfallen, um eine erste Bilanz zu ziehen. Der CSDS-Entwurf ist jedoch ein gewaltiger Schritt in Richtung einer globalen gemeinsamen Sprache für Nachhaltigkeit. Benötigen Sie Unterstützung bei Ihrer Strategie zur nichtfinanziellen Berichterstattung? Setzen Sie auf die CSR-Beratung und die strategische Begleitung durch Tennaxia.
Quellen:
- Anhang 1: Leitlinien, CSDS-Entwurf, Finanzministerium der Volksrepublik China, 27. Mai 2024
- Anhang 2: Basisstandard, CSDS-Entwurf, Finanzministerium der Volksrepublik China, 27. Mai 2024
- “Ministry of Finance issued the Exposure Draft of Chinese Sustainability Disclosure Standards for Business Enterprises”, PwC China, 2024
- “Analyse der Berichterstattungsstandards nach Ländern: China”, Lehrstuhl für Doppelte Wesentlichkeit
- “China’s Corporate Sustainability Disclosure Standards: A Roadmap for Foreign Companies Doing Business in China”, The ESG Institute, 3. Februar 2025
Der CSDS-Entwurf wurde kurz nachdem drei große chinesische Börsen (Shanghai, Shenzhen und Peking) ihre eigenen Leitlinien für die nichtfinanzielle Berichterstattung veröffentlicht hatten, publiziert.




