Rückblick auf die Tennaxia Connect 2025: Nachhaltige Finanzen, Kreislaufwirtschaft, Daten & kultureller Wandel im Zentrum von CSR und HSE.

Auf der Tennaxia Connect 2025 trafen sich CSR- und HSE-Verantwortliche, um Herausforderungen, Erfahrungen und ESG-Innovationen auszutauschen. Ein wichtiger Meilenstein, um den nachhaltigen Wandel gemeinsam zu beschleunigen.

Matthieu Duault
Climate Copywriter
Publication : 
16.06.2025
Inhaltsverzeichnis
Demo anfordern

Am 4. Juni 2025 versammelte sich das Ökosystem aus CSR, HSE und nachhaltiger Finanzwirtschaft zur Tennaxia Connect. Kunden, Experten, Partner sowie Nachhaltigkeitsverantwortliche großer Konzerne und mittelständischer Unternehmen tauschten sich über ihre Erfahrungen, Überzeugungen und Ambitionen zur nachhaltigen Unternehmenstransformation aus. Diese Ausgabe war geprägt von der wachsenden Anforderung, extra-finanzielle Leistung und Gesamtstrategie stärker in Einklang zu bringen – mit einer gemeinsamen Devise: sich die Zeit nehmen, um konkret und langfristig zu handeln.

In Konferenzen, Podiumsdiskussionen und Workshops kristallisierte sich eine klare Botschaft heraus: Nachhaltigkeit lässt sich nicht verordnen, sondern muss methodisch, datengestützt und aus Überzeugung gesteuert werden.

Nachhaltige Finanzwirtschaft: Extra-finanzielle Aspekte werden zu einer Säule der Risikoanalyse

Die Veranstaltung begann mit einer Podiumsdiskussion über die wachsende Bedeutung nachhaltiger Finanzen. Regulierungen wie die EU-Taxonomie, die SFDR oder die CSRD haben nicht nur den regulatorischen Druck erhöht, sondern vor allem einen starken Bedarf an kulturellem Wandel in den Unternehmen geweckt.

Finanzakteure richten ihre Bewertungsinstrumente daher massiv neu aus. Es geht nicht mehr darum, „Kästchen anzukreuzen“, sondern zu verstehen, ob ein Unternehmen in der Lage ist, seinen Nachhaltigkeitspfad aktiv zu steuern.

„Das extra-finanzielle Risiko ist zu einem finanziellen Risiko geworden“, betonte Xavier Leroy, Head of Advisory and Solutions bei Ethifinance. Er erinnerte daran, dass Unternehmen mit den besten ESG-Ratings eine bis zu 10 % höhere Börsenperformance erzielen.

Extra-finanzielle Daten werden somit zum Kriterium für den Zugang zu Finanzierungen : Ohne glaubwürdiges ESG-Reporting gibt es keine Vorzugskonditionen. Die Banken haben dies erkannt und integrieren Klima- und ESG-Scores in ihre Kreditentscheidungen, wie Anthony Sinna, Leiter Sustainable Finance bei LCL, hervorhob. Das ist keine Option, sondern ein Resilienzkriterium und ein Signal für strategische Reife.

Ein Konsens zeichnete sich ab: Nichtfinanzielle Daten sind für die Entscheidungsfindung unverzichtbar, ebenso wie Finanzdaten. Zuverlässigkeit, Vergleichbarkeit und Aussagekraft sind die Säulen eines Systems, das als strategischer Kompass dienen muss. Vor allem aber müssen diese Daten zum Handeln anregen.

Vorsicht jedoch vor unerwünschten Nebeneffekten. Wie Philippe Kunter, Leiter für nachhaltige Entwicklung bei Bpifrance, feststellte, haben Kleinstunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mitunter Schwierigkeiten, Schritt zu halten. Er betonte daher, dass Analysemodelle angepasst werden müssen, damit auch kleinere Unternehmen ihre nachhaltige Transformation einleiten können, ohne dabei Abstriche bei der Qualität zu machen. Die eigentliche Herausforderung ist kultureller Natur: CSR muss zu einem Hebel für den internen Wandel werden, der die langfristige Strategie unterstützt.

Kreislaufwirtschaft: Von der Abfallentsorgung zur Ressourcenschöpfung

„Abfall ist keine Belastung mehr, sondern eine industrielle Chance.“

In den letzten Jahren wurde die Abfallwirtschaft wieder in den Mittelpunkt der industriellen und ökologischen Unternehmensstrategie gerückt. Die Kreislaufwirtschaft ist kein ökologischer Spleen mehr, sondern ein Hebel zur Wertschöpfung. Dieser Wandel wurde durch den Willen der Unternehmen und die Innovationskraft der Akteure in der Abfallwirtschaft ermöglicht. Anhand konkreter Beispiele zeigten Silvia Bonilla, Leiterin für internationale nachhaltige Entwicklung bei Séché Environnement, Jihan Mansouri, QHSE-Direktorin bei Veolia Propreté Industries et Services, und Céline Ratanavanh, Leiterin des Bereichs Kreislaufwirtschaft bei der Groupement Les Mousquetaires, dass die Kreislaufwirtschaft an beispielloser Dynamik gewinnt.

Eine besonders aussagekräftige Zahl verdeutlicht diese Entwicklung: Heute werden 50 % der Abfälle verwertet, vor 40 Jahren waren es nur 10 %.

Unsere Referentinnen unterstrichen dabei die Bedeutung dertechnologischen Innovation , die es ermöglicht, immer spezifischere Anforderungen zu erfüllen, sowie den zunehmenden Stellenwert der Wiederverwendung. Um die Entwicklung dieses Sektors zu sichern, betonten sie die entscheidende Rolle der Rückverfolgbarkeit sowie des Ökodesigns von Produkten, das bereits bei der Entwicklung deren zweites Leben mitdenkt. Ein Argument, das die Notwendigkeit einer integrierten und umfassenden Steuerung der unternehmerischen Wertschöpfungskette unterstreicht.

Abschließend erinnerten unsere Referentinnen daran, dass der logistische und industrielle Aufwand für eine bessere Sortierung und Rückgewinnung von Abfällen nicht unterschätzt werden darf, da er letztlich sowohl der Umwelt als auch dem Unternehmen zugutekommt.

Steuerung der Dekarbonisierung: Von Daten zu regionalen Maßnahmen

Eine erfolgreiche Dekarbonisierung beruht auf drei Schritten: messen, modellieren, handeln.

Anhand konkreter Beispiele veranschaulichte Melissa Dahdouh, Climate Project Manager bei Sodexo, die Bedeutung einer lokal ausgerichteten Governance, bei der länderspezifische Ansprechpartner dafür verantwortlich sind, Aktionspläne an die lokalen Gegebenheiten anzupassen. Um das Top-Management stärker in die Umsetzung dieser Pläne einzubinden, wurde als eine Methode vorgeschlagen, Anreize basierend auf den erzielten Ergebnissen zu schaffen.

Sébastien Mandron, CSR-Direktor bei Worldline, identifizierte zudem die Lebenszyklusanalyse (LCA) als Schlüsselelement bei der Messung von Treibhausgasemissionen, die durch ihre Geschäftstätigkeit entstehen. Dies ermöglicht ein besseres Verständnis der Produktnutzung und der Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Bei der Umsetzung eines Dekarbonisierungsplans im Unternehmen waren sich beide Referenten einig, dass es notwendig ist, Maßnahmen zu priorisieren und zwar anhand einer Multikriterien-Matrix, die Kosten, Machbarkeit und Treibhausgas-Auswirkungen gegenüberstellt.

Sie erinnerten zudem daran, dasseine Dekarbonisierungsstrategie maßgeblich auf den Gewohnheiten und Bedürfnissen der Endnutzer basiert; Technologie allein kann den Wandel nicht bewirken. Im Zahlungsverkehr beispielsweise bestimmen die Entscheidungen der Nutzer (Papierbeleg, Plastikkarte, Terminal usw.) bis zu 90 % der Emissionen. Es ist daher Aufklärungsarbeit erforderlich, damit sich der Nutzer sowohl der Auswirkungen seines Konsumverhaltens als auch der verfügbaren Alternativen zur Reduzierung dieser Auswirkungen bewusst wird.

Möchten Sie mehr erfahren? Laden Sie sich die Aufzeichnung unseres Webinars zu Dekarbonisierungspfaden herunter 👇

Webinar trajectoire de décarbonation

Nachhaltige Beschaffung: Über den Tier-1-Lieferanten hinausdenken

Sabine Jean-Dubourg, Beraterin bei The A Lab, leitete gemeinsam mit Mélanie Deal, ESG-Projektleiterin bei Tennaxia, einen interaktiven Workshop zum Thema „Nachhaltige Beschaffung im Zentrum der CSR-Strategie“.

Dieser Workshop bot die Gelegenheit, den Begriffnachhaltige Beschaffung neu zu definieren und die Notwendigkeit zu unterstreichen, die Risikoanalyse über direkte Lieferanten hinaus auf kritische Glieder der Wertschöpfungskette auszuweiten. 

Sabine Jean-Dubourg erläuterte dazu, dass 70 % der Umweltrisiken heute in der indirekten Lieferkette verborgen sind. Doch die Gesetzgebung (CSRD, CSDDD) drängt zwar dazu, die Lieferanten zu kartieren, jedoch nicht immer auf der richtigen Ebene.

„Auslagern bedeutet nicht, die Risiken auszulagern“, betonte sie.

Einkäufer müssen daher zu Akteuren der Resilienz werden, die in der Lage sind, gemeinsam mit ihren Lieferanten Lösungen zu entwickeln und Schwachstellen zu bewerten, um Risiken – seien sie ökologischer, sozialer oder wirtschaftlicher Natur – frühzeitig zu erkennen.

Zu den genannten Lösungsansätzen gehören Multi-Sourcing, die Bewertung von Lieferanten nach ihrer ökologischen Anfälligkeit sowie das Verständnis für die Kosten des Nichtstuns, die als Prioritäten gelten, um die nachhaltige Unternehmensleistung zu sichern.

Integrierte CSR: Governance, Kultur und Mobilisierung

Air France Industries, Bosch und viele weitere Kunden von Tennaxia stehen vor derselben Herausforderung: Wie lässt sich eine globale CSR-Strategie in einer komplexen Matrixorganisation umsetzen?

Jessie Delbe, Program Manager Sustainability bei Air France Industries, und Nicolas Hamm, HSE- und CSR-Koordinator für Frankreich und Benelux bei Bosch France, hoben die Komplexität hervor, eine Konzern-CSR-Strategie auf lokaler Ebene auszurollen. Der Aufbau von Botschafternetzwerken, lokale Initiativen, Schulungen und die Einbindung des Managements sind der Schlüssel, um diese Themen im Arbeitsalltag der Mitarbeiter zu verankern.

Eine Strategie allein reicht nicht aus; sie muss erstrebenswert und umsetzbar gemacht werden. Dies erfordert interne Multiplikatoren, Anreizsysteme, Nachhaltigkeitsausschüsse und eine Ausrichtung an den operativen Gegebenheiten vor Ort.

Das Ergebnis ist nicht nur ein besseres Verständnis der Herausforderungen, sondern auch ein reibungsloserer Austausch von schwachen Signalen und bewährten Verfahren.

KI & CSR: Zwischen Potenzial und Vorsicht

Zum Abschluss des Tages beleuchtete Patrick Nollet, CPTO bei Tennaxia, die Vor- und Nachteile des Einsatzes von künstlicher Intelligenz in CSR-Prozessen.

Im Spannungsfeld zwischen technologischer Faszination und ethischer Vorsicht erinnerte der Vortrag daran, dass trotz aller Versprechen der Einsatz von künstlicher Intelligenz auf echten Nutzen und konkrete Auswirkungen in den Unternehmen ausgerichtet bleiben muss.

KI ist, wie wir wissen, extrem ressourcenintensiv. Eine einzige Anfrage kann bis zu 50 g CO₂-Äquivalente verursachen. Diese Ressourcen – Investitionen, Flächen, Energie, Wasser und kohlenstoffarmer Strom – stehen in direkter Konkurrenz zu den Mitteln, die für die ökologische Wende benötigt werden.

Es gilt daher, nicht auf die verlockenden, aber oft trügerischen Versprechen der KI hereinzufallen (wie Berichte ohne verlässliche Daten, Spielerei-Chatbots oder KI-„Etikettenschwindel“ für simple Funktionen). Auch wenn einige Anwendungsfälle vielversprechend sind – etwa die Erstellung von Dashboards, regulatorische Analysen oder die Konsolidierung von Narrativen –, bleiben zentrale Fragen offen: der CO₂-Fußabdruck von KI, Verzerrungen in den Antworten, Datensicherheit und die digitale Kluft.

Fazit: KI kann zwar ein Beschleuniger sein, wird jedoch niemals das menschliche Urteilsvermögen oder die strategische Ausrichtung ersetzen. Sie muss ein Werkzeug bleiben, kein Selbstzweck.

Fazit

Die Tennaxia Connect 2025 hat eine klare Überzeugung unterstrichen: Es ist an der Zeit, Strategie, Finanzen, Daten und Handeln nachhaltig in Einklang zu bringen. Die nicht-finanzielle Performance lässt sich nicht mehr von der Gesamtleistung eines Unternehmens trennen. Sie ist deren Spiegelbild und zunehmend auch deren Motor. Wir danken allen Referenten herzlich für ihre wertvollen Erfahrungsberichte, den qualifizierten Austausch und ihr authentisches Engagement. Ein großes Dankeschön geht auch an alle Teilnehmer für ihre aktive Präsenz, ihre fundierten Fragen und ihren Beitrag zu dieser kollektiven Dynamik.