Anpassung an den Klimawandel: Warum, wie und mit welchen Mitteln?

Angesichts der Zunahme von Extremwetterereignissen reicht die bloße Reduzierung unserer Emissionen nicht mehr aus. Die Anpassung an den Klimawandel ist zu einer strategischen Notwendigkeit geworden, um die Zukunftsfähigkeit von Geschäftsmodellen zu sichern – mit entscheidender Unterstützung durch Banken und Versicherer.

Matthieu Duault
Climate Copywriter
Publication : 
28.10.2026
Inhaltsverzeichnis
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🔎 Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Emissionsreduzierung (Mitigation) muss nun durch eine robuste Anpassungsstrategie an physische Risiken (Dürren, Überschwemmungen usw.) ergänzt werden, die die Produktionsmittel direkt bedrohen.
  • Die präzise Bewertung der Anfälligkeit von Standorten und Wertschöpfungsketten ist zu einer unverzichtbaren Anforderung geworden.
  • Die europäische CSRD-Richtlinie beschleunigt diesen Prozess, indem sie Unternehmen verpflichtet, die finanziellen Auswirkungen dieser Risiken sowie ihre Anpassungspläne offenzulegen.
  • Versicherer wie AXA warnen vor den Kosten des Nichtstuns: Ohne Anpassungsplan könnten bestimmte Regionen und Geschäftsaktivitäten in Zukunft unversicherbar werden.
  • Für Banken wie LCL ist die Finanzierung direkt an die Resilienz geknüpft: Ein Unternehmen, das nicht versicherbar ist, wird de facto auch nicht finanzierbar.

Nachhaltige Transformation ist keine periphere regulatorische Option mehr, sondern ein zentraler Faktor für wirtschaftliche Leistung und das Überleben von Organisationen. Auf der Messe Produrable leitete Solène Garcin-Charcosset, Director ESG and Carbon Consulting bei Tennaxia, einen Workshop zum Thema Anpassung an den Klimawandel gemeinsam mit Catherine Chazal, Group Head of Environmental and Social Impact bei AXA, und Gladys Leclerc, Leiterin Energie und Finanzen bei LCL.

Zwischen der Dringlichkeit des Handelns angesichts der realen Klimarisiken, den strenger werdenden Anforderungen von Banken und Versicherern sowie der Notwendigkeit, Geschäftsmodelle vor Ort konkret anzupassen, hat dieser Workshop gezeigt, dass Anpassung heute die Wettbewerbsfähigkeit und Langlebigkeit von Unternehmen neu definiert.

Warum Anpassung zur neuen Säule der Resilienz geworden ist 

Wir leben heute in einer Welt, in der die Folgen des Klimawandels keine fernen Prognosen mehr sind, sondern unmittelbare betriebliche Realitäten. Wasserknappheit, Hitzewellen, plötzliche Überschwemmungen: Die Warnsignale häufen sich und treffen direkt auf die Infrastrukturen und globalen Lieferketten. Dies war die Ausgangslage des Workshops: Es reicht nicht mehr aus, nur die Erwärmung begrenzen zu wollen; man muss sich nun aktiv darauf vorbereiten, deren Auswirkungen zu bewältigen.

In diesem Kontext umfasst CSR nun auch das Management physischer Risiken. Die Klimastrategie von Unternehmen, die lange Zeit auf die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks (Mitigation) beschränkt war, muss heute als Schutzschild ausbalanciert werden.

Messen, um zu handeln: Die taktische Bewertung physischer Risiken

Die Anpassung hat einen wichtigen operativen Meilenstein erreicht und bewegt sich weg von der Theorie großer internationaler Abkommen hin zur Verankerung in der Realität vor Ort.

Wie Solène Garcin-Charcosset betonte, erfordert dieser Ansatz vor allem eine rigorose Methodik. Es geht darum, den geografischen Fußabdruck des Unternehmens und seiner gesamten Wertschöpfungskette genau zu kartieren, um spezifische Schwachstellen zu identifizieren.

Dieser taktische Ansatz zwingt Geschäftsführungen und Produktionsleiter dazu, sich sehr konkrete Fragen zu stellen:

  • Welche kritischen Standorte des Unternehmens sind bis 2030 oder 2050 dem Risiko von Überschwemmungen oder Dürren ausgesetzt?
  • Wie können diese Gefahren die Versorgung mit strategischen Rohstoffen lähmen?
  • Welche kapazitätsbildenden und finanziellen Maßnahmen (Anpassungs-CAPEX, Verlagerung, Prozessänderungen) müssen ab heute eingeleitet werden? Anpassungspläne müssen auf projizierten Klimadaten basieren, um Investitionen zu priorisieren und die Geschäftskontinuität langfristig zu sichern.

Die CSRD: Ein regulatorischer Katalysator zur Stärkung der Resilienz

Um diese Bewertung erfolgreich durchzuführen, fangen Unternehmen nicht mehr bei null an. Die CSRD fungiert heute als enormer Beschleuniger für dieses Bewusstsein.

Durch den Standard ESRS E1 zur Klimaberichterstattung fordert die europäische Richtlinie nun volle Transparenz über die Exposition gegenüber physischen Risiken und Transitionsrisiken. Unternehmen müssen die finanziellen Auswirkungen dieser Klimarisiken auf ihre Geschäftstätigkeit schwarz auf weiß offenlegen und ihre Anpassungspläne glaubwürdig darlegen.

Die CSRD ist weit mehr als eine reine Compliance-Übung; sie bietet einen leistungsstarken methodischen Rahmen. Sie zwingt dazu, Silos zwischen den Abteilungen (CSR, Finanzen, Risikomanagement, Betrieb) aufzubrechen, um Schocks antizipieren zu können. Gerade die Zuverlässigkeit dieser standardisierten Daten ermöglicht es heute, Stakeholder zu beruhigen und das Vertrauen der Finanzakteure zu wahren.

Das Versicherbarkeitsrisiko: AXAs Warnung vor Untätigkeit

Eine der eindringlichsten Botschaften dieses Workshops, vorgetragen von Catherine Chazal für AXA, betrifft die direkten Kosten des Status quo und die fundamentale Rolle der Versicherung.

Da die Temperaturen in Europa einem Szenario mit mittleren Emissionen (SSP2-4.5) zufolge bis 2100 voraussichtlich um etwa 4 °C steigen werden, nehmen Häufigkeit und Intensität klimabedingter Katastrophen zu. Das zentrale Risiko, das sich heute weit über die Einhaltung von Vorschriften hinaus abzeichnet, ist die Versicherbarkeit von Vermögenswerten.

Angesichts der systemischen Zunahme von Schäden ist die Versicherungsbranche gezwungen, ihre Expositionsmodelle zu überarbeiten. Wenn ein Unternehmen nicht nachweisen kann, dass es einen strengen Anpassungsplan zur Sicherung seiner Infrastruktur (Schutzdämme, angepasste Kühlsysteme, Verstärkung von Dächern) umgesetzt hat, drohen drastisch steigende Selbstbehalte und Prämien oder gar die vollständige Verweigerung des Versicherungsschutzes in besonders gefährdeten Gebieten.

Klimatische Untätigkeit führt somit zu einem existenzbedrohenden Versicherungsrisiko für das Unternehmen.

Die Schlüsselrolle der Banken: Anforderungen und Unterstützung durch LCL

Diese Bedrohung der Versicherbarkeit ist eng mit der Kreditwürdigkeit verknüpft. Gladys Leclerc erinnerte nachdrücklich an diese im Finanzsektor mittlerweile unverzichtbare Gleichung: „Keine Versicherung, keine Finanzierung“.

Die Rolle von Banken wie LCL wandelt sich grundlegend, um diese neue Realität zu integrieren. Finanzinstitute sind nun von europäischen Regulierungsbehörden (wie der EZB) dazu verpflichtet, die Wesentlichkeit physischer Risiken in ihren Kreditportfolios zu bewerten. LCL positioniert sich somit als aktiver Partner der Transformation, indem die Bank die für die Anpassung notwendigen materiellen Investitionen finanziert, im Gegenzug jedoch greifbare Nachweise für die Resilienzstrategie ihrer Kunden verlangt.

Die abschließende Botschaft an die Führungskräfte ist unmissverständlich: Anpassung ist kein Kostenfaktor, sondern eine lebenswichtige Investition. Transparente Zusammenarbeit mit Finanz- und Versicherungspartnern, die Antizipation physischer Schocks und die Transformation des Geschäftsmodells sind heute die unverzichtbaren Voraussetzungen, um auch in Zukunft wirtschaftlich relevant zu bleiben.