Nach dem Omnibus-Schock: ESG-Reporting resilienter denn je

In einem regulatorischen Umfeld, das durch die Omnibus-Richtlinie geprägt ist, zeigt die 13. Tennaxia-Studie, dass ESG-Reporting fest in den Unternehmen verankert bleibt – weit über die reine CSRD-Konformität hinaus.

Matthieu Duault
Climate Copywriter
Publication : 
02.01.2026
Inhaltsverzeichnis
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🔎 Das Wichtigste auf einen Blick

🔎 Das Wichtigste auf einen Blick

  • Trotz der durch Omnibus geschaffenen Unsicherheit bleibt das ESG-Reporting fest verankert, wobei 83 % der Unternehmen, die potenziell aus dem CSRD-Anwendungsbereich herausfallen, weiterhin freiwillig berichten.
  • ESG wird heute als Hebel für Resilienz und strategische Transformation wahrgenommen, weniger als regulatorische Last, um Risiken, Performance und finanzielle Attraktivität zu steuern.
  • Die ESG-Governance hat sich stark professionalisiert, mit einer verstärkten Einbindung der Finanz- und Einkaufsabteilungen, was die umfassendere Berücksichtigung der Wertschöpfungskette widerspiegelt.
  • Die Qualität und Zuverlässigkeit von Daten, insbesondere im Bereich CO2, bleiben die größte Herausforderung, was Unternehmen dazu veranlasst, ihre Datengovernance und ihre Tools unabhängig vom regulatorischen Zeitplan zu stärken.

Die 13. Ausgabe der jährlichen Tennaxia-Studie zu Praktiken der nichtfinanziellen Berichterstattung erscheint in einem beispiellosen regulatorischen Umfeld. Während die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) kurz davor stand, die Nachhaltigkeitslandschaft grundlegend zu verändern, hat die unerwartete Einführung der Omnibus-Richtlinie Anfang 2025 die Karten neu gemischt. Durch die Verschiebung der Berichtspflicht für die zweite Unternehmenswelle auf 2028 (für Daten aus 2027) und den Vorschlag, die Schwellenwerte für die Berichtspflicht möglicherweise auf 1.000 Mitarbeiter (statt ursprünglich 250) anzuheben, hat Omnibus eine Phase der Unsicherheit ausgelöst.

Doch statt eines allgemeinen Rückzugs zeigt die Analyse ein bemerkenswertes Ergebnis: Die nichtfinanzielle Berichterstattung steht erstaunlich gut da. Trotz der Versuchung, sich zurückzuziehen, und der allgemeinen Stimmungslage herrscht in den Organisationen Konsens über den Nutzen des ESG-Reportings, das nun fest in der Leistungssteuerung und der Resilienz des Geschäftsmodells verankert ist.

Unsere Studie, die unter mehr als 200 Unternehmen aller Größen und Branchen durchgeführt wurde, erfasst diese paradoxe Dynamik. Sie zeigt, dass die durch ESG gelegten Grundlagen heute solide genug sind, um über den Rahmen bloßer regulatorischer Anforderungen hinauszugehen und die Transparenzpflicht in einen echten strategischen Hebel zu verwandeln. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Konferenz auf der Messe Produrable 2025 veröffentlicht.

ESG als Säule der Resilienz – stärker als jede Regulierung

Die spektakulärsten Auswirkungen von Omnibus zeigen sich bei Unternehmen, die potenziell nicht mehr der CSRD unterliegen würden. Weit davon entfernt, aufzuatmen, gab eine überwältigende Mehrheit von ihnen (83 %) an, dennoch freiwillig einen ESG-Bericht zu erstellen. Dieses Festhalten, das sich hauptsächlich am Standard VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs)orientiert, bestätigt, dass der Wert nichtfinanzieller Informationen weit über die gesetzliche Verpflichtung hinausgeht.

Der regulatorische Rückzug hat somit das wahre Wesen der CSRD verdeutlicht: eine Chance zur strategischen Transformation. Für 67 % der Unternehmen wird die CSRD in erster Linie als Mittel gesehen, um das Geschäftsmodell zu überdenken – ein Wert, der im Vergleich zum Vorjahr (57 %) deutlich gestiegen ist. Dieser strategische Vorteil überwiegt bei weitem die Wahrnehmung der Richtlinie als personelle (62 %) oder finanzielle (32 %) Belastung.

Die befragten Unternehmen, ob berichtspflichtig oder nicht, haben erkannt, dass die Berichterstattung folgende Vorteile bietet:

  • Konkrete Identifizierung und Antizipation mittel- und langfristiger Risiken zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells.
  • Steigerung der Attraktivität bei Stakeholdern, insbesondere bei Kunden, Banken und Investoren. Tatsächlich nutzen bereits 89 % der Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsdaten, um auf entsprechende Anfragen zu reagieren.
  • Bessere Steuerung der Unternehmensleistung

Dieser freiwillige Kurswechsel erklärt sich auch durch die große Unzufriedenheit der Unternehmen, die bereits Zeit und Ressourcen investiert haben. Unter denjenigen, die nicht mehr berichtspflichtig wären, bewerten 71 % die Omnibus-Änderung eher negativ. Sie kritisieren die Instabilität, die dadurch für die Zukunft der CSR entsteht (89 % der negativen Punkte), sowie die Entmutigung für diejenigen, die bereits eine Strategie initiiert hatten (60 %).

Die Vorbereitung auf die CSRD hat zu einer beschleunigten internen Strukturierung geführt. Innerhalb eines Jahres stieg der Anteil der Unternehmen mit einer dedizierten CSR-Governance von 59 % auf 84 %. Eine spezifische Governance wird als unverzichtbar erachtet, um ein derart bereichsübergreifendes Projekt zu steuern, das zahlreiche Funktionen und Einheiten einbezieht.

Obwohl die Projektleitung mehrheitlich in den Händen der CSR-Abteilungen bleibt (65 %), zeigt die Studie zwei wesentliche Entwicklungen bei der Einbindung der Fachbereiche auf:

  1. Die Finanzabteilung (CFO) : Die Einbindung der Finanzabteilungen ist mittlerweile fast systematisch (85 %), und 56 % der Unternehmen stellen durch die CSRD eine deutlich stärkere Beteiligung fest. Diese Übernahme der Verantwortung ist logisch, da die Expertise der Finanzabteilungen in den Bereichen Reporting, Wirtschaftsprüfung und die Übersetzung von ESG-Daten in Finanzkennzahlen unerlässlich ist.
  2. Die Einkaufsabteilung : Dies ist die größte Überraschung dieser Ausgabe. Die Einbindung der Einkaufsfunktion stieg von nur 7 % im Jahr 2024 auf 63 % im Jahr 2025. Dieser Paradigmenwechsel spiegelt die Erkenntnis der Unternehmen wider, dass die Analyse der Auswirkungen, Risiken und Chancen (IRO) gemäß CSRD die gesamte Wertschöpfungskette abdecken muss, was die Expertise des Einkaufs für die Analyse der vorgelagerten Kette und die Informationsbeschaffung bei Lieferanten unverzichtbar macht.

Darüber hinaus führt dieser Bedeutungszuwachs zu einer regelmäßigeren Steuerung: Unternehmen berichten nun häufiger über ESG-Informationen an die Geschäftsführung, wobei die Mehrheit einen vierteljährlichenRhythmus bevorzugt. Dies signalisiert ein gestiegenes Bewusstsein für die Notwendigkeit, diese Daten operativ und nicht mehr nur jährlich zu steuern.

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Die Datenherausforderung und die CO2-Priorität

Trotz der Fortschritte bei der Governance bestätigt die Studie, dass der größte Stolperstein der CSRD weiterhin die Datensind. Die von den Befragten am häufigsten spontan genannten Schwierigkeiten beziehen sich auf die Daten (Volumen und Definitionen), den Mangel an personellen/finanziellen Ressourcen sowie das mangelnde Verständnis der regulatorischen Texte.

Bei der ersten Veröffentlichungswelle (2025 für das Datenjahr 2024) konnten 46 % der Unternehmen nicht alle erforderlichen Indikatoren erfassen, und 83 % mussten Priorisierungen vornehmen. Noch kritischer: 25 % veröffentlichten Informationen, deren Definitionen oder Berechnungsmethoden nicht den regulatorischen Anforderungen entsprachen.

Diese Schwierigkeiten wirken sich auf die Audits aus, bei denen der am häufigsten kritisierte Punkt (bei 29 % der auditierten Unternehmen) die Qualität der quantitativen Datenist. Das Fehlen einer Datengovernance verschärft die Situation, da 35 % der Unternehmen, die bereits berichtet haben, immer noch kein dediziertes Team dafür vorgesehen haben.

Unter den Anforderungen haben die Unternehmen schnell die wesentlichen Schwerpunkte identifiziert. Die drei ESRS (European Sustainability Reporting Standards), die am häufigsten als wesentlich für das Geschäftsjahr eingestuft wurden, sind wenig überraschend:

  • ESRS E1 : Klimawandel (98 %).
  • ESRS G1 : Unternehmensführung (97 %).
  • ESRS S1 : Eigene Arbeitskräfte (93 %).

Der Fokus auf das Klima ist besonders bemerkenswert. Die Messung des CO2-Fußabdrucks ist nach der Etablierung einer Governance die zweitwichtigste strukturierende Maßnahme. Der Anteil der Unternehmen, die ihren Scope 3 (indirekte Emissionen) erfassen, bleibt mit 90 % stabil. Vor allem haben 66 % der Unternehmen inzwischen einen Emissionsminderungspfad definiert, wovon zwei Drittel mit dem Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 °C vereinbar sind– eine Angleichung, die innerhalb eines Jahres stark zugenommen hat.

Das Omnibus-Dilemma: eine kostspielige Pause

DieOmnibus-Richtlinie ist ein zweischneidiges Schwert. Während der Hauptvorteil für Unternehmen in der gewonnenen Zeit zur besseren Vorbereitung liegt (62 %, insbesondere für die Anschaffung geeigneter Tools und interne Strukturierung), hat die Überarbeitung zu einem Rückzug bestimmter Funktionsbereiche bei der Hälfte der Unternehmen geführt.

Am stärksten betroffen sind die Finanzabteilung (63 % Rückzug) und die Geschäftsführung (51 %). Für diese Bereiche diente die Unsicherheit als Vorwand, um einen Rückzieher zu machen und sich wieder auf das operative Tagesgeschäft zu konzentrieren, während man darauf wartet, dass die Kommission die künftigen Anforderungen klärt. Dieser Rückschritt ist umso frustrierender, da er bereits getätigte Investitionen (Schulungen, Tools, Personal) entwertet und die angestoßene Transformationsdynamik bremst.

Fazit: Die Nachhaltigkeit eines strategischen Engagements

Die Tennaxia-Studie 2025 liefert wichtige Erkenntnisse: Auch wenn die CSRD durch Omnibus an Schwung verloren hat, wird die nichtfinanzielle Berichterstattung heute als strategische und finanzielle Notwendigkeitbetrachtet.

Die regulatorische Entschärfung hat gezeigt, dass ESG bereits ein so solides Fundament hat, dass die Mehrheit der Unternehmen den Prozess freiwillig fortsetzt. Dabei stehen Resilienz und Marktattraktivität stärker im Vordergrund als die reine Compliance. Die Frage nach dem Format wird damit fast zweitrangig.

Dennoch wird der Druck auf die Datenqualität und -zuverlässigkeit weiter zunehmen, insbesondere durch die stärkere Einbindung von Wirtschaftsprüfern und die zentrale Herausforderung der Rückverfolgbarkeit von Auswirkungen in der Wertschöpfungskette. Unternehmen sollten die zusätzliche Zeit nutzen, um ihre Datengovernance zu festigen und sich angemessen auszustatten, ohne auf die endgültige Fassung des Omnibus-Textes zu warten.

Für detaillierte Analysen, Branchenvergleiche und umfassende Informationen zu den spezifischen Herausforderungen bei der Datenerhebung und dem CO2-Management laden Sie die vollständige Studie herunter.

Um alle Daten und Vorbereitungsansätze für die CSRD in diesem unsicheren Umfeld zu erhalten, laden Sie die vollständige 13. Ausgabe der Tennaxia-Studie herunter!