Von der DPEF zur CSRD: Wie bereiten sich Unternehmen auf den neuen Nachhaltigkeitsbericht vor?

Der Übergang von der DPEF zur CSRD verändert die Berichterstattung grundlegend. Die Tennaxia-Studie zeigt auf, wie sich Unternehmen auf die neuen Anforderungen einstellen: doppelte Wesentlichkeit, Governance und die Steuerung von ESG-Daten.

Bertrand Desmier
Senior Advisor RSE
Publication : 
18.10.2023
Inhaltsverzeichnis
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Nach fünf Jahren Anwendung der Non-Financial Reporting Directive (in Frankreich als DPEF bekannt) zielte die 11. Tennaxia-Studie zu Praktiken der CSR-Berichterstattung darauf ab, die Entwicklungen und Erkenntnisse aus dieser ersten Richtlinie zu identifizieren. Ziel war es zu verstehen, wie sich sowohl bereits berichtspflichtige Unternehmen als auch solche, die künftig unter die Corporate Sustainability Reporting Directive fallen, auf die neuen Anforderungen vorbereiten.

PANEL: Über 200 Teilnehmer, 54 % börsennotierte Unternehmen, 58 % französische Unternehmen, 11 % Benelux, 7 % Italien, 4 % Portugal, 4 % Norwegen, 6 % Sonstige (Irland, Österreich, Spanien usw.). 122 Fragebögen wurden ausgewertet. Im Panel 2022 waren 60 % der Unternehmen bereits der NFRD unterworfen und 40 % werden der CSRDunterliegen.

Fünf Kernpunkte lassen sich aus der Studie ableiten.

Finanzabteilungen werden stärker in die Nachhaltigkeitsstrategie und -berichterstattung einbezogen. Aufgrund der Notwendigkeit, Finanz- und Nicht-Finanzdaten zu verknüpfen, geben 74 % der Unternehmen an, dass ihre Finanzchefs (CFOs) in ESG-Themen involviert sind. 92 % der Befragten berichten von einem wachsenden Druck seitens Banken und Investoren. Für 66 % der Unternehmen stehen Themen rund um nachhaltige Finanzierung im Vordergrund, für 69 % geht es um unternehmensbezogene ESG-Daten.

Der Trend geht daher wahrscheinlich zu einer engeren Zusammenarbeit oder gar einer Verschmelzung von Finanz- und CSR-Abteilungen. Von den Finanzchefs wird einerseits die Strenge bei Prozessen und Daten erwartet, während die CSR-Abteilung andererseits die fachliche Expertise zu Nachhaltigkeitsthemen einbringt.

Die Geschäftsführung ist häufiger in die Steuerung der KPIs eingebunden. 34 % der Geschäftsleitungen steuern die KPIs vierteljährlich und 12 % monatlich, während 2022 noch 55 % der Geschäftsleitungen dies nur jährlich taten. Diese Entwicklung belegt auch den positiven Effekt, den Unternehmen durch die Erstellung der DPEF wahrgenommen haben: eine stärkere Einbindung der Führungsebene in CSR-Themen und eine verbesserte Leistungssteuerung.

Der Klimawandel bleibt das wichtigste Risiko für Unternehmen. Unter den zentralen Risiken, die von Unternehmen identifiziert wurden, steht der Klimawandel an erster Stelle. Über 70 % dieser Unternehmen werden ihre Analyse der klimabedingten Risiken bis Jahresende abgeschlossen haben. 52 % der Unternehmen, die erstmals unter die Nachhaltigkeitsberichterstattung fallen, bereiten sich darauf durch eine erste Messung ihres CO2-Fußabdrucks vor.

Die Analyse der doppelten Wesentlichkeit stellt eine große Herausforderung dar, die von den befragten Unternehmen jedoch gut verstanden wird. 32 % der Unternehmen, die die CSRD ab 2025 anwenden werden, haben ihre Analyse der doppelten Wesentlichkeit bereits durchgeführt, obwohl zum Zeitpunkt der Umfrage die Methodiken noch nicht final verabschiedet waren. 41 % der Befragten, deren Analyse derzeit läuft, werden ebenfalls ab 2025 unter die Richtlinie fallen.

Zahlen, die optimistisch erscheinen, wenn man sie mit denen der 5. Studie des Medef unter 100 Großunternehmen des SBF 120 vergleicht. In diesem Bericht veröffentlichen nur 14 Unternehmen eine Analyse der doppelten Wesentlichkeit gemäß den beiden von der CSRD geforderten Achsen (Auswirkungswesentlichkeit und finanzielle Wesentlichkeit).

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung bleibt ein komplexes Thema. Obwohl 82 % der Unternehmen angaben, dass die DPEF zu einer besseren Verankerung von CSR im Unternehmen geführt hat, bleiben die Komplexität der Leitlinien und die Vielfalt der Definitionen die größten Hindernisse seit deren Einführung. Um diese Hürden zu überwinden, planen 52 % der Unternehmen, zusätzliches Personal für die CSRD-Vorbereitung einzustellen. Auch die KPIs stellen für Unternehmen seit Einführung der DPEF eine Herausforderung dar und sind zudem das Prioritätsthema für Unternehmen, die erstmals einen Bericht erstellen.

Vorbereitung auf die CSRD für Unternehmen mit bevorstehender Berichtspflicht

Obwohl 60 % der befragten Unternehmen angeben, bereits mit der Arbeit an der CSRD begonnen zu haben, zeigen erste Erkenntnisse, dass es schwierig ist, den regulatorischen Druck zugunsten der offensichtlichen Chancen auszublenden, und dass ein gewisses Unwissen über die zu behandelnden Themen besteht. Der Mangel an personellen und finanziellen Ressourcen angesichts der Komplexität und des hohen Aufwands der Aufgabe wird ebenso hervorgehoben wie die Schwierigkeit, die Unternehmensführung einzubinden.

„Die CSRD wird ein riesiger Kraftakt für uns. Auch wenn wir nicht verpflichtet sind, jede einzelne Zeile der CSRD zu erfüllen, liegt die Herausforderung darin, im Vorfeld die Daten zu beschaffen, sinnvolle Indikatoren zu priorisieren, die Zuverlässigkeit sicherzustellen und eine langfristige Nachverfolgung zu gewährleisten... Das wird die Mobilisierung aller Unternehmensbereiche erfordern.“

Fazit:

Selbst für Unternehmen, die seit vielen Jahren mit der Berichterstattung vertraut sind, stellt die Anpassung an die CSRD eine erhebliche Weiterentwicklung dar. Dies beginnt bereits bei der Wesentlichkeitsanalyse – sowohl hinsichtlich der anzuwendenden Methodik als auch der Tragweite ihrer Auswirkungen.

Für mittelständische Unternehmen (KMU) ist die Herausforderung vielfältig. Die erste Hürde ist die Gewöhnung an die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Dabei muss verstanden werden, dass dies kein Selbstzweck ist und zahlreiche Chancen bietet: von der Kundengewinnung über die Differenzierung gegenüber Wettbewerbern, die Mitarbeiterbindung, die Gewinnung von Talenten und Investoren bis hin zum Zugang zu nachhaltigkeitsbezogenen Finanzierungen und letztlich der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells. All diese potenziellen Vorteile gehen weit über das „Pflichtprogramm“ hinaus, als das die CSRD auf den ersten Blick erscheinen mag.

Die zweite Herausforderung besteht darin, die geeignete Organisation und die notwendigen Ressourcen zu schaffen. Eine Struktur, in der Finanzleiter (CFOs) ihre Expertise bei Prozessen und der Datenerhebung einbringen können, ergänzt durch die Einbindung weiterer Supportfunktionen und operativer Abteilungen. Und natürlich die Einbindung der Geschäftsführung bei der Steuerung der wesentlichen Themen.

Dies erfordert personelle Ressourcen durch Neueinstellungen, um CSR-Themen innerhalb der Organisation voranzutreiben und in den Teams zu verankern, sowie finanzielle Mittel für die Unterstützung durch externe Dienstleister und Reporting-Software.

Letztlich stellt die CSRD einen echten Wandel dar. Es geht um die Integration von CSR-Themen durch die Unternehmensführung sowie die Berücksichtigung der Auswirkungen auf das Unternehmen, die Umwelt und die Gesellschaft. Über die Angst vor Veränderungen in Unternehmen gibt es umfangreiche Literatur. Die Umsetzung der CSRD sollte daher als echtes Change-Management-Projekt betrachtet werden. Die wichtigsten Schritte sind bekannt: Werden Sie zum Akteur des Wandels, bestimmen Sie, was Sie zu verlieren fürchten, und handeln Sie vorausschauend. Fragen Sie sich, was Sie gewinnen können, und holen Sie sich Unterstützung.

Fortsetzung folgt!