Universelles Registrierungsdokument: Die Konvergenz von Finanz- und Nachhaltigkeitsdaten

Mit dem universellen Registrierungsdokument verschwimmen die Grenzen zwischen finanziellen und nicht-finanziellen Aspekten. Indem es die Darstellung der Risiken auf die wirklich signifikanten Faktoren konzentriert, verbessert es die strategische Transparenz von Unternehmen und beschleunigt die Konvergenz hin zu einer ganzheitlichen Sicht auf ihre Performance.

Bertrand Desmier
Senior Advisor RSE
Publication : 
04.01.2020
Inhaltsverzeichnis
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Das universelle Registrierungsdokument ergänzt eine Reihe von Initiativen, allen voran die integrierte Berichterstattung und die DPEF. All diese Initiativen zielen auf die Zusammenführung von finanziellen und nicht-finanziellen Informationen ab, um ein besseres Verständnis der Wertschöpfung und deren Verteilung durch Unternehmen zu ermöglichen – ein Garant für die Zukunftsfähigkeit wirtschaftlicher Akteure.

Universelles Registrierungsdokument: Bessere Kommunikation über Risiken

Das universelle Registrierungsdokument (Universal Registration Document, kurz URD) ist seit dem 21. Juli 2019 für genehmigungspflichtige Prospekte erforderlich. Es führt eine Änderung in der Risikodarstellung ein, gemäß Artikel 16 der Prospektverordnung 3.

Emittenten sind dazu angehalten, ihre finanzielle und nicht-finanzielle Strategie transparenter darzustellen. Sie müssen künftig nur noch die für ihre Geschäftstätigkeit wesentlichen und spezifischen Risiken in einem eigenen Risikokapitel aufführen – und zwar alle Risiken, einschließlich der nicht-finanziellen. Die ausgewählten Risiken (maximal 15 gemäß Artikel 7 der Prospektverordnung) müssen priorisiert und nach Kategorien und Unterkategorien von Risikofaktoren (maximal 10) geordnet werden. Die bedeutendsten Risikofaktoren sind jeweils am Anfang der Liste der jeweiligen Kategorie zu nennen. Bei der Bewertung kann der Emittent eine qualitative Skala verwenden, um anzugeben, ob das Risiko gering, mittel oder hoch ist.

Auf dem Weg zu einer ganzheitlichen Bewertung der Unternehmensperformance

In der integrierten Berichterstattung ermöglicht die Korrelation von Finanzkapital mit materiellem, intellektuellem, menschlichem, gesellschaftlichem und ökologischem Kapital die Erfassung der Wertschöpfung im Zeitverlauf. Hier findet sich die Identifizierung von Risiken – aber auch von Chancen –, die faktisch sowohl finanzieller als auch nicht-finanzieller Natur sind. Die Wechselwirkung zwischen finanziellen und nicht-finanziellen Aspekten ist der Eckpfeiler des integrierten Denkens.

The value creation process. The IIRC (2013), p.13

Diese Perspektive auf finanzielle und nicht-finanzielle Risiken ermöglicht eine bessere Einschätzung der langfristigen Erfolgsaussichten eines Unternehmens.

Ein Zeichen der Zeit: Im April 2019 wies die Securities and Exchange Commission darauf hin, dass sich das Berichtssystem weiterentwickeln müsse, um Informationen über immaterielle Vermögenswerte wie geistiges Eigentum und Humankapital einzubeziehen.

Diese Entwicklungen gehen in die richtige Richtung. Sie stehen für den wachsenden Stellenwert von ESG-Kriterien bei der Bewertung der Gesamtperformance von Unternehmen, insbesondere um den Anforderungen von Investoren gerecht zu werden. Das Ziel? „Sicherstellen, dass Unternehmen die Interessen der Gesellschaft, des Planeten und aller ihrer Stakeholder angemessen berücksichtigen“, wie Dominic Barton, Vorsitzender des International Integrated Reporting Council, im Hinblick auf die weltweite Entwicklung der integrierten Berichterstattung betonte.

Das Finanzwesen stützt sich seit Jahrzehnten auf Key Performance Indicators (KPIs). Die DPEF fordert Unternehmen dazu auf, die Maßnahmen zur Reduzierung und Vermeidung identifizierter nicht-finanzieller Risiken mithilfe von KPIs zu steuern. Viele Unternehmen haben bereits die Erfassungszyklen einiger Finanzdaten angepasst, um diesem Ansatz gerecht zu werden. Das ist ermutigend. Es bleibt abzuwarten, ob nicht-finanzielle KPIs in naher Zukunft ebenso wie wirtschaftliche KPIs auf der Agenda von Vorstandssitzungen stehen werden. Wenn wir diesen Punkt erreichen, werden finanzielle und nicht-finanzielle Aspekte vollständig konvergiert sein.

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Sie möchten mehr erfahren? Lesen Sie unseren Artikel über nichtfinanzielle Berichterstattung.

Foto: Vitaly Gariev