Die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen ist für viele Unternehmen zu einem zentralen Anliegen geworden – sei es freiwillig, auf Druck der Stakeholder (insbesondere Kunden und Investoren) oder um neue regulatorische Anforderungen wie die CSRD innerhalb der EU zu erfüllen.
Jeder, der sich bereits mit der CO2-Bilanzierung befasst hat, kann es bestätigen: Ohne einen normativen Rahmen ist diese Aufgabe keine leichte Übung. Daher wurden verschiedene Standards entwickelt, um Unternehmen bei der Berechnung ihrer Treibhausgasemissionen zu unterstützen. Die Norm ISO 14064 ist ein solcher Standard.
Die Norm ISO 14064: Definition, Kontext und Ziele
Die ISO-Normen der International Organization for Standardization sind ein weltweit anerkannter Satz von Standards, die dazu dienen, industrielle und kommerzielle Praktiken international zu harmonisieren. Sie werden heute in 167 Ländern angewendet.

Was ist die Norm ISO 14064?
Die Norm ISO 14064 ist Teil dieses Regelwerks und zielt darauf ab, einer der Referenzstandards für die Berechnung von Treibhausgasemissionen zu sein. Sie besteht aus drei Teilen und beschreibt einen umfassenden Prozess zur Datenerhebung und -verarbeitung, der es ermöglicht, die durch verschiedene Unternehmensaktivitäten verursachten Emissionen zu messen und Emissionsberichte zu überprüfen.
Sie wurde 2006 eingeführt und 2018 sowie 2019 überarbeitet. Sie ist das Ergebnis der Arbeit von 175 internationalen Experten in Zusammenarbeit mit 19 Organisationen, die auf den Bereich Treibhausgasemissionen und deren Auswirkungen auf den Klimawandel spezialisiert sind.
Kontext und Herausforderungen des Treibhausgasmanagements (THG)
Die Messung von Treibhausgasemissionen ist zu einer zentralen ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderung geworden. Nach dem Pariser Abkommen von 2015 verpflichteten sich die 195 Unterzeichnerstaaten, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.
Diese Verpflichtungen erfordern eine erhebliche Reduzierung der weltweiten Treibhausgasemissionen. Unternehmen als Hauptemittenten müssen hierbei ihren Beitrag leisten. Doch um einen wirksamen Dekarbonisierungsplan umzusetzen, ist der erste Schritt die Messung des CO2-Fußabdrucks und die Identifizierung der wichtigsten Emissionsquellen, um die besten Handlungshebel zu bestimmen.
Diese Messung muss daher präzise, standardisiert, analysierbar und vergleichbar sein. Vor diesem Hintergrund wurden verschiedene Standards geschaffen, die heute fast alle miteinander kompatibel sind. Zu den bekanntesten zählen die Bilan-Carbone-Methode der Ademe, das GHG Protocol und schließlich die Norm ISO 14064.
Was sind die Ziele der Norm ISO 14064?
Die internationale Norm ISO 14064 wurde 2006 entwickelt, um eine spezifische Herausforderung anzugehen. Eine Expertengruppe der ISO hatte festgestellt, dass die zahlreichen Ansätze zur Messung der Treibhausgasemissionen von Unternehmen und Organisationen weltweit keine klare, vergleichbare und umsetzbare Übersicht über die Emissionsniveaus der einzelnen Einheiten ermöglichten.
Sie arbeiteten daher an dieser Norm mit vier festgelegten Zielen:
- Stärkung der Glaubwürdigkeit und Konsistenz von Treibhausgasemissionsmessungen durch die Harmonisierung von Prozessen, deren Transparenz und Kontrollmechanismen
- Identifizierung der wesentlichen Risiken im Zusammenhang mit Treibhausgasemissionen sowie der Handlungshebel und verfügbaren Ressourcen zur Begrenzung ihrer Auswirkungen
- Beitrag zur Umsetzung vergleichbarer Aktionspläne zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen
- Erleichterung des Handels mit Emissionsrechten und CO2-Zertifikaten durch die Sicherstellung einer gemeinsamen Referenzgrundlage für alle Beteiligten
Die drei Teile der Norm ISO 14064
Die Norm ISO 14064 besteht eigentlich aus drei Teilnormen, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten. Ziel ist es, sicherzustellen, dass der Prozess der Quantifizierung und des Managements von Treibhausgasemissionen in seiner Gesamtheit konsistent ist – von der Messung bis zur Überprüfung.
ISO 14064-1 – Spezifikationen und Leitlinien für die Quantifizierung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen
Die Norm ISO 14064-1 richtet sich an Unternehmen und Organisationen, die ihren CO2-Fußabdruck messen möchten.
Sie bietet eine Liste von Informationen, die eine effektive Messung der im Rahmen der Geschäftstätigkeit verursachten Treibhausgasemissionen ermöglichen, sodass der Bericht (d. h. der Emissionsbericht) verwertbar und prüfbar ist. Diese Methodik umfasst die Erfassung sowohl von Kohlenstoffquellen als auch von Senken und liefert Anleitungen zur Messung der damit verbundenen Emissionen.
Vor dieser Quantifizierung schreibt die Norm ISO 14064-1 die Definition der verschiedenen Bilanzgrenzen vor, denen die Treibhausgasemissionen zugeordnet werden:
- die organisatorische Bilanzgrenze: Welche Anlagen sind aus praktischer und finanzieller Sicht betroffen
- der operative Geltungsbereich: Welche Aktivitäten der Organisation innerhalb dieses organisatorischen Rahmens werden bei der Quantifizierung der Treibhausgasemissionen berücksichtigt?
Sobald diese Bereiche festgelegt sind, bietet die Norm ISO 14064-1 Leitlinien für die Quantifizierung der direkten und indirekten Emissionen des Unternehmens oder der Organisation sowie Methoden zur Überprüfung der Genauigkeit der Daten, die im Rahmen der Treibhausgasemissionserklärung übermittelt werden.
Die in der Norm ISO 14064-1 dargelegte Methodik folgt den bewährten Verfahren des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) und des World Resources Institute (WRI).
ISO 14064 - 2 - Spezifikationen und Leitlinien für die Validierung und Verifizierung von Treibhausgasprojekten
Die Norm ISO 14064-2 richtet sich in erster Linie an Administratoren von THG-Plänen sowie an Organisationen, die Projekte zur Reduzierung, Beseitigung von Treibhausgasemissionen oder zur CO2-Kompensation durchführen. Dazu gehören beispielsweise Anbieter von CO2-Zertifikaten, aber auch Unternehmen und Organisationen, die Dekarbonisierungspläne initiiert haben.
Dieser Teil der Norm ISO 14064 beschreibt detailliert die Methodik zur Quantifizierung, Überwachung und Berichterstattung von Projekten zur Reduzierung oder Beseitigung von Treibhausgasemissionen.
Sie unterstützt Projektträger insbesondere bei der effektiven Messung eines Referenzszenarios, das es ermöglicht, die nach der Umsetzung des Projekts reduzierten, vermiedenen oder gebundenen Emissionen zu quantifizieren.
ISO 14064 - 3 - Spezifikationen und Leitlinien für die Validierung und Verifizierung von Treibhausgas-Emissionsminderungsprojekten
Dieser letzte Teil der Norm ISO 14064 richtet sich hauptsächlich an Drittorganisationen, die mit der Validierung und Verifizierung von Emissionsminderungsprojekten beauftragt sind. Er kann sich auch an Unternehmen richten, die die Konformität ihrer THG-Pläne vorab überprüfen möchten.
Die Norm ISO 14064-3 definiert die Anforderungen und Methoden für die Validierung und Verifizierung von Erklärungen zu Treibhausgasemissionen, -reduzierungen und -beseitigungen.
Die Verifizierung entspricht der Bewertung der Konformität der übermittelten Daten. Die Validierung bewertet die Annahmen, Einschränkungen und Methoden der Erklärungen zu zukünftigen Ergebnissen von Klimaschutzprojekten.
Die ISO 14064-3 wird insbesondere im Rahmen des CO2-Emissionshandels eingesetzt und stützt ihre Methodik auf die vier Grundprinzipien der unabhängigen Bewertung:
- Unparteilichkeit
- ethisches Verhalten
- die unparteiische Darstellung
- das berufliche Gewissen
Weiterführende Ansätze zur CO2-Messung: Ergänzende Instrumente zu den 1406X-Normen
Verschiedene ISO-Normen ergänzen die ISO 14064, um die Messung von CO2-Emissionen zu vertiefen und den Prozess der Quantifizierung und Verifizierung von Berichten besser zu strukturieren.

Die Norm ISO 14067
DieISO 14067 – Treibhausgase – Produkt-CO2-Fußabdruck – Anforderungen und Leitlinien für die Quantifizierung liefert die Grundlagen zur Messung des CO2-Fußabdrucks eines Produkts (PCF) von der Rohstoffgewinnung bis zum Ende der Lebensdauer. Sie stützt sich dabei auf die Prinzipien der Ökobilanzierung (LCA) und berücksichtigt die während dieses Zyklus verursachten Treibhausgasemissionen und -entnahmen.
Die Norm ISO 14065
Die Norm ISO 14065 – Allgemeine Grundsätze und Anforderungen an Validierungs- und Verifizierungsstellen für Umweltinformationendefiniert die Kriterien für die Akkreditierung unabhängiger Stellen zur Validierung und Verifizierung von Treibhausgasberichten.
Die Norm ISO 14066
Die Norm ISO 14066 – Treibhausgase – Kompetenzanforderungen an Validierungs- und Verifizierungsteams für Treibhausgase richtet sich diesmal direkt an die Prüfer von Drittorganisationen, die mit der Validierung und Verifizierung von THG-Erklärungen betraut sind. Sie beschreibt detailliert die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen für die Durchführung dieser Audits.
Welche konkreten Vorteile bietet die Zertifizierung nach ISO 14064?
Die Norm ISO 14064 ist ein wertvolles Instrument für Unternehmen, die ihr Umweltmanagement verbessern, ihre THG-Emissionen reduzieren sowie ihr Image und ihren Ruf stärken möchten.
Verbesserung des Treibhausgas-Emissionsmanagements
Die ISO 14064 ermöglicht eine präzisere Identifizierung und Quantifizierung der verschiedenen THG-Emissionsquellen, die mit den Aktivitäten eines Unternehmens verbunden sind.
Dieser Ansatz erleichtert im Anschluss die Erstellung eines Aktionsplans zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks sowie die Überwachung und Messung der erzielten Fortschritte von Jahr zu Jahr.
Zudem erlaubt sie eine bessere Antizipation von Risiken und Chancen im Zusammenhang mit dem Klimawandel.
Schließlich bietet sie dem Unternehmen auch die Möglichkeit, durch die Optimierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs Kosten zu senken.
Stärkung von Glaubwürdigkeit und Transparenz
Als Garant für Seriosität und Qualität belegt die ISO 14064-Zertifizierung das Engagement der Organisation im Kampf gegen den Klimawandel und stärkt ihre Glaubwürdigkeit bei Kunden, Partnern und Investoren.
Die Veröffentlichung verlässlicher und transparenter Umwelterklärungen ermöglicht einen intensiveren Dialog mit den verschiedenen Interessengruppen.
Zugang zu Märkten und grüner Finanzierung
Viele Finanzinstitute verlangen von Unternehmen inzwischen die Einhaltung spezifischer Umweltkriterien, um Zugang zu bestimmten Finanzierungen zu erhalten. Einige Vorschriften wie die europäische SFDR zielen zudem darauf ab, diesen Ansatz zu standardisieren.
Dasselbe gilt für den Zugang zu bestimmten öffentlichen oder privaten Ausschreibungen, bei denen Umweltkriterien zunehmend in den Entscheidungsprozess einfließen. Die ISO 14064-Zertifizierung kann sich hierbei als entscheidender Vorteil erweisen und einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil darstellen.
Verbesserung des Images und der Reputation
Die Norm ISO 14064 ist ein Beleg für das konkrete Engagement eines Unternehmens im Bereich der nachhaltigen Entwicklung. Sie ermöglicht eine klare Kommunikation über die vom Unternehmen gesetzten Ziele.
In einem Umfeld, in dem Kunden immer anspruchsvoller und wachsamer gegenüber Umweltfragen werden, bietet die Norm ISO 14064 eine wirksame Lösung, umZweifel an Greenwashing auszuräumen und eine vertrauensvolle Beziehung zur Kundschaft aufzubauen.
Wie erhält man die ISO 14064-Zertifizierung?
Für den Erhalt der ISO 14064-Zertifizierung ist die Zusammenarbeit mit einer Zertifizierungsstelle erforderlich, die Sie bei diesem Prozess begleiten kann.
Der Zertifizierungsprozess umfasst mehrere wichtige Schritte:
- Engagement der Geschäftsführung bei der Implementierung eines Prozesses zur Quantifizierung der Emissionen sowie bei der Bereitstellung der dafür notwendigen Ressourcen
- Entwicklung einer langfristigen Strategie für das Treibhausgasmanagement unter Berücksichtigung der Umweltziele des Unternehmens
- Identifizierung und Quantifizierung von Emissionsquellen und Kohlenstoffsenken
- Einrichtung eines Systems zur Überwachung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen
- Validierung und Verifizierung durch eine unabhängige Stelle
Fazit
Die Norm ISO 14064 ist ein unverzichtbares Instrument für Unternehmen, die sich konkret im Kampf gegen den Klimawandel engagieren möchten. Der Zertifizierungsprozess ist zwar anspruchsvoll, bleibt jedoch für alle Unternehmen, die sich dazu verpflichten, machbar.
Darüber hinaus handelt es sich um ein strenges und international anerkanntes System zur Quantifizierung von Treibhausgasemissionen, das es Unternehmen – ähnlich wie die Bilan Carbone oder das GHG Protocol – ermöglicht, wirksame Dekarbonisierungspläne umzusetzen.
Quellen:
- „Umwelt – Klimaschutz“, 3. Ausgabe, Internationale Organisation für Normung (ISO), 2022
- „Einführung der ISO 14064 zur Bilanzierung und Verifizierung von Treibhausgasen“, Chan Kook Weng und Kevin Boehmern, ISO Insider, März – April 2006
- Offizielle ISO-Website





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