Investitionen in Unternehmenskapital werden zunehmend verantwortungsbewusster. Das hat einen guten Grund: Risiken und eine mangelnde Kontrolle der CSR-Auswirkungen der Unternehmen, in die investiert wird, können für Kapitalgeber sehr teuer werden. Auf der Messe Produrable haben wir die Konferenz „Die neuen Horizonte des verantwortungsbewussten Investierens“ besucht, die gemeinsam von BNP Paribas, Mirova und Groupama Asset Management moderiert wurde. Unter Einbeziehung der Ergebnisse der Studie „Investing For a Sustainable Future“ der MIT Sloan Management Review vom vergangenen Mai möchten wir auf diese neuen Anliegen der Investoren eingehen und auf die Notwendigkeit für Unternehmen hinweisen, ihre nichtfinanzielle Kommunikation zu professionalisieren.
Neue Entscheidungskriterien für Investoren
Investoren sind eine Interessengruppe, die man bei CSR-Verpflichtungen keinesfalls vernachlässigen darf. Laut dem amerikanischen Forum für verantwortungsbewusstes Investieren wurde 2014 bereits 1 von 6 Dollar in verantwortungsbewusste Anlagestrategien investiert – ein Anstieg von 76 % seit 2012. Parallel dazu gab Novethic, das Zertifizierungsorgan für ISR-Fonds, letzte Woche die Zahlen für 2015 in Frankreich bekannt: Ein Rekord mit einem Zuwachs von 29 % gegenüber 2014, was 746 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen nach ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) entspricht. Investoren haben dies verstanden: Die nichtfinanzielle Leistung von Unternehmen zu ignorieren, ist keine Option mehr, da dies erhebliche Risiken für die Beständigkeit des eigenen Finanzportfolios birgt.
Laut der Studie „Investing For a Sustainable Future“ geben 80 % der befragten Investoren an, dass eine gute nichtfinanzielle Leistung das langfristige Wertschöpfungspotenzial eines Unternehmens verbessert. Immer mehr Investoren bewerten die Anstrengungen der Unternehmen. Ihr Ziel: Wesentliche CSR-Themen in das Geschäftsmodell zu integrieren – also jene Faktoren, die die Fähigkeit des Unternehmens, sich zu entwickeln oder sogar auf dem Markt zu überleben, maßgeblich beeinflussen könnten.
Die CSR-Strategie muss das Geschäftsmodell des Unternehmens steuern, weiterentwickeln und beeinflussen. Laut der Studie „Investing For a Sustainable Future“ die im Mai 2016 von der MIT Sloan Management Review veröffentlicht wurde, sind 60 % der befragten Unternehmen der Ansicht, dass eine im Geschäftsmodell verankerte soziale Verantwortung maßgeblich zu ihrem wirtschaftlichen Erfolg beiträgt. Das Energiewendegesetz unterstützt diesen Ansatz. Es bekräftigt die zahlreichen Initiativen zur Messung von ESG-Risiken für Unternehmen und Verwaltungsgesellschaften, insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel. Artikel 173 verpflichtet Verwaltungsgesellschaften und institutionelle Investoren, einschließlich Banken, in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 2016 darzulegen, wie sie ESG-Kriterien in ihre Anlagepolitik integrieren und welche Maßnahmen sie ergreifen, um zur Energie- und ökologischen Wende beizutragen.
Wer nichtfinanzielle Risiken kaum oder gar nicht berücksichtigt, riskiert, dass Investoren abwandern oder sich zurückziehen. Erinnern Sie sich an den Mattel-Skandal im Jahr 2007, der zum Rückruf von über 20 Millionen Spielzeugen auf dem chinesischen Markt wegen bleihaltiger Farbe führte. Das Ergebnis entsprach der Schwere der Entdeckung: ein freier Fall des Aktienkurses. Laut der Studie „Investing For a Sustainable Future“ sind 60 % der Entscheidungsträger in Investmentfonds bereit, sich von Unternehmen zu trennen, die ihre CSR-Themen nur unzureichend beherrschen. Die Dynamik rund um die COP 21 und die Unterzeichnung des universellen Klimaabkommens durch 195 Staaten rückt die Energie- und fossile Brennstoffbranche verstärkt in den Fokus.
Bislang haben sich über 400 institutionelle und 2.000 unabhängige Investoren aus 43 Ländern dazu verpflichtet, mehr als 2 Milliarden Dollar aus Vermögenswerten von Unternehmen abzuziehen, die mit diesen Sektoren verbunden sind. Dies gilt insbesondere für den größten norwegischen Pensionsfonds, Kommunal Landspensjonskasse, der seine gesamten Investitionen in die Kohleindustrie in Fonds für erneuerbare Energien umgeschichtet hat. Auch Versicherungsgesellschaften achten verstärkt auf diese Investitionslenkung. Die Allianz SE beispielsweise zieht Investitionen ab, sobald ein Unternehmen mehr als 30 % seines Umsatzes mit der Kohleindustrie erzielt oder mehr als 30 % seiner Energie aus diesem fossilen Brennstoff gewinnt.
Nichtfinanzielle Leistung als Grundlage der Gesamtleistung eines Unternehmens
Dieser Aufstieg des verantwortungsbewussten Investierens (ISR) erklärt sich vor allem durch das Aufkommen neuer Analyse- und Modellierungspraktiken, die zeigen, wie verantwortungsbewusstes Investieren eine Quelle für geteilte Werte sein kann. Viele Investmentfonds haben Kompetenzzentren für diese Themen eingerichtet. Auch die akademische Forschung hat an Fahrt gewonnen, um den Zusammenhang zwischen effektivem CSR-Management und der finanziellen Leistung von Unternehmen greifbar zu machen.
Im Jahr 2015 zeigten 90 % der 200 von der Universität Oxford und Arabesque Partners untersuchten Studien, dass die Einhaltung von CSR-Standards die Kapitalkosten eines Unternehmens senkt. Gleichzeitig unterstreichen diese Studien in 90 % der Fälle, dass solide Umwelt-, Sozial- und Governance-Praktiken dazu beitragen, die operative Leistung von Unternehmen zu steuern. Die Studie „Corporate Sustainability: First Evidence on Materiality“ hat zudem belegt, dass Unternehmen, die wesentliche CSR-Themen am besten identifizieren, besser abschnitten als weniger relevante Unternehmen, was darauf hindeutet, dass dies einen Mehrwert für die Aktionäre generiert.
Diese Erkenntnisse wurden diese Woche erneut bestätigt. Am Montag, den 30. Mai 2016, veröffentlichte die Zeitung Les Echos einen Artikel über eine quantitative Studie der Beratungsfirma PwC und des Investmentfonds Eurazeo. Der Artikel erläutert, dass die Einsparungen durch die Umsetzung von CSR-Plänen bei sechs ihrer Beteiligungen (Accor, Léon de Bruxelles, Foncia, Elis, Peters Surgical und Dessange) seit 2011 mehr als 180 Millionen Euro erreicht haben. Dies wurde durch die Aufmerksamkeit für Kraftstoff- und Wasserverbrauch sowie das Management von Mitarbeiterfehlzeiten erreicht.
Nichtfinanzielle Kommunikation: Wie kommuniziert man gegenüber Investoren?
Die Bewertung eines Unternehmens durch nichtfinanzielle Ratingagenturen ist nicht mehr das einzige Vertrauenssiegel, das von Investoren und Aktionären gefordert wird. Laut der Studie „Investing For a Sustainable Future“ glauben nur 36 % der Befragten, dass dies ihre Investitionsentscheidung beeinflussen kann. Ihrer Meinung nach investieren Unternehmen mehr Zeit in das Ausfüllen dieser Fragebögen als in die operative Umsetzung von CSR-Maßnahmen. Dies liegt an der Komplexität und dem Umfang der zu erfassenden Informationen.
Wie lässt sich Investoren gegenüber strukturiert darlegen, dass man diese CSR-Themen im Griff hat? Wie lässt sich die nichtfinanzielle Berichterstattung verbessern? Das CSR-Reporting ist eine wahre Fundgrube, um über die nichtfinanzielle Performance Rechenschaft abzulegen. Der US-amerikanische SASB-Standard wurde genau zu diesem Zweck entwickelt: Er soll börsennotierte Unternehmen dazu anleiten, eine begrenzte Anzahl an Key Performance Indicators (KPIs) in ihrem 10K-Formular zu veröffentlichen – und zwar branchenspezifisch. Dadurch wird ein Vergleich der Unternehmensleistung erst möglich.
Ähnlich wie in den USA bringt das Delphi-Projekt Investoren und Finanzanalysten an einen Tisch. Diese Initiative wurde vom Europäischen Netzwerk für unternehmerische Gesellschaftsverantwortung (CSR Europe) und State Street Global Advisers ins Leben gerufen. Ihr Ziel: ein Set an ESG-Indikatoren zu entwickeln, das die Gesamtleistung eines Unternehmens widerspiegelt. Auch die von den Vereinten Nationen unterstützten Prinzipien für verantwortliches Investieren (PRI) können zu einer besseren Kommunikation beitragen. Sie stellen Unternehmen ein Instrument zur Verfügung, mit dem diese die finanziellen Auswirkungen ihrer CSR-Strategie bewerten und kommunizieren können.
Fazit
Obwohl diese Instrumente existieren, denken nur wenige Unternehmen daran, ihre CSR-Bemühungen gegenüber Investoren zu kommunizieren. Lediglich 20 % der befragten Unternehmen haben eine gezielte Kommunikation für diese Zielgruppe entwickelt. Die restlichen 80 % betrachten die nichtfinanzielle Performance nicht als Wettbewerbsfaktor (Studie „Investing For a Sustainable Future“). Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, eine nichtfinanzielle Kommunikationsstrategie zu entwickeln, die verschiedene Kanäle für die wichtigsten Stakeholder des Unternehmens nutzt. Investoren haben – genau wie Kunden oder NGOs – ganz spezifische Anforderungen an die Daten, auf die sie zugreifen möchten.
Foto: Sang-Eun Kim





