Wie lässt sich eine ergonomische Gestaltung am Arbeitsplatz umsetzen?

Die Einführung eines ergonomischen Ansatzes ermöglicht es, die Arbeit an den Menschen anzupassen, Risiken zu reduzieren, die Gesundheit der Mitarbeiter zu verbessern und die Leistungsfähigkeit zu steigern.

Clara Godin
Juriste en droit de l'environnement & santé-sécurité au travail
Publication : 
26.04.2023
Inhaltsverzeichnis
Demo anfordern

Ergonomie zielt darauf ab, die Arbeit an den Menschen anzupassen, und ist ein wesentlicher Aspekt der betrieblichen Risikoprävention. Sie trägt nicht nur zum Schutz der Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter bei, sondern steigert auch die Produktivität des Unternehmens. Mehr dazu erfahren Sie in diesem Artikel.

Warum sollte ein ergonomischer Ansatz im Unternehmen eingeführt werden?

Was ist ein ergonomischer Ansatz und wann sollte er umgesetzt werden?

Ergonomie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die die Wechselwirkungen zwischen Menschen und anderen Elementen eines Systems untersucht. Im betrieblichen Kontext zielt die Einführung eines ergonomischen Ansatzes darauf ab, die Arbeit an den Menschen anzupassen, um die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten zu wahren.

Obwohl sie keinem eigenen Abschnitt im Arbeitsgesetzbuch unterliegt, ist Ergonomie ein Konzept, das die gesamte Gesetzgebung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz durchdringt. Sie steht im Einklang mit den allgemeinen Präventionsgrundsätzen gemäß Artikel L4121 des französischen Arbeitsgesetzbuches. L. 4121-2, die den Arbeitgeber insbesondere dazu verpflichten,die Arbeit an den Menschen anzupassen, insbesondere im Hinblick auf die Gestaltung der Arbeitsplätze sowie die Auswahl der Arbeitsmittel sowie der Arbeits- und Produktionsmethoden (…)“.

Ergonomie sollte ein fester Bestandteil der gesamten Risikopräventionspolitik eines Unternehmens sein. Ihre Rolle ist daher sowohl präventiv als auch korrektiv. Wenn ein Unternehmen einen Produktivitätsrückgang, eine Häufung von Arbeitsunfällen, wiederkehrende Beschwerden der Mitarbeiter über ihre Arbeitsbedingungen oder eine zunehmende Fehlzeitenquote feststellt, kann es einen Ergonomie-Experten hinzuziehen, um die Ursachen dieser Probleme zu analysieren und zu beheben.

Die Einführung eines ergonomischen Ansatzes erfordert zwar manchmal erhebliche Investitionen seitens des Unternehmens, doch die langfristigen Auswirkungen sorgen für eine positive Entwicklung des Unternehmens im Hinblick auf die Arbeitsgestaltung. Zudem ermöglicht sie eine Steigerung der Qualität und Produktivität des Unternehmens durch eine erleichterte Ausführung der verschiedenen Aufgaben durch die Beschäftigten.

Welche verschiedenen Ansätze gibt es in der Ergonomie?

Wie lässt sich die Einführung eines ergonomischen Konzepts professionell begleiten?

Ergonomie ist eine eigenständige Disziplin, die spezifische wissenschaftliche, technische und rechtliche Kompetenzen erfordert. Deshalb entscheiden sich viele Unternehmen dafür, spezialisierte Dienstleister für die Umsetzung ergonomischer Maßnahmen zu beauftragen.

Professionelle Ergonomie-Experten verfügen jeweils über eigene Arbeitsmethoden, um auf die spezifischen Bedürfnisse eines Unternehmens einzugehen. Dank ihrer Expertise sind sie in der Lage, Risikosituationen zu analysieren und konkrete Lösungen zu erarbeiten.

Der Ergonomie-Experte konzentriert sich in der Regel auf drei ergonomische Faktoren :

  • die organisatorische oder umgebungsbezogene Ergonomie, die insbesondere die Gestaltung von Arbeitsplätzen, das Arbeitsumfeld, die Beziehungen und Kommunikation zwischen dem Personal, die Arbeitsplanung usw. umfasst;
  • die physische Ergonomie, was insbesondere die Körperhaltung der Arbeitnehmer, die Handhabung von Werkzeugen und Arbeitsmitteln usw. betrifft;
  • kognitive Ergonomie, die sich insbesondere auf mentale Prozesse, Wahrnehmung, Gedächtnis und das für die Ausführung einer Aufgabe erforderliche Denkvermögen usw. auswirkt.

Je nach Bedarf des Unternehmens kann der Ergonom eine Konzeptionsergonomie oder eine Korrekturergonomiedurchführen.

Konzeptionsergonomie

Die Konzeptionsergonomie kommt vor der Einrichtung einer Arbeitssituation zum Einsatz. Sie bezieht sich auf die Organisation der Arbeitssituation selbst, die Gestaltung von Geräten und Maschinen sowie die Planung von Arbeitsplätzen.

Diese Art der ergonomischen Intervention bietet einen vorausschauenden Ansatz, der eine optimale Arbeitsergonomie gewährleistet, indem menschliche, materielle und umweltbedingte Faktoren berücksichtigt werden.

Korrekturergonomie

Die Korrekturergonomie kommt bei einer bestehenden Arbeitssituation zum Einsatz, die Anpassungen erfordert. Sie findet insbesondere Anwendung bei Arbeitssituationen, deren Gestaltung unzureichend ist.

Obwohl die korrektive Ergonomie am häufigsten angewendet wird, ist sie in der Regel weniger effektiv als die Gestaltungs-Ergonomie, da sie durch bereits bestehende Rahmenbedingungen eingeschränkt ist. Dennoch kann sie erhebliche Vorteile bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen bewirken.

Welches sind die verschiedenen Phasen eines ergonomischen Ansatzes?

Die Analyse der Arbeitssituation

Die Analyse der Unternehmensanfrage

Wenn ein ergonomischer Prozess eingeleitet wird, prüft der Ergonom zunächst genau das Anliegen des Unternehmens, das seine Dienste in Anspruch nimmt. Je nach Fall kann sich das Unternehmen für einen spezifischen Bedarf oder zur allgemeinen Verbesserung von Gesundheit und Sicherheit an einen Ergonomen wenden.

Handelt es sich um einen spezifischen Bedarf, wie zum Beispiel wiederkehrende krankheitsbedingte Ausfälle aufgrund von Muskuloskelettalen Erkrankungen (MSE) in einer Abteilung, ist die Arbeit des Ergonomen bereits vorgegeben, sodass er die Ursachen des Problems gezielt angehen und beheben kann.

Geht es hingegen um eine allgemeine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, betrachtet der Ergonom das Anliegen aus einem breiteren Blickwinkel, um selbst die verschiedenen Optimierungspunkte zu definieren – sei es für das gesamte Unternehmen oder nur für einen bestimmten Arbeitsplatz.

Die Anfrage kann auch im Rahmen einer Unternehmensgründung oder der Schaffung eines neuen Geschäftsbereichserfolgen. In diesem speziellen Fall setzt der Ergonom in Zusammenarbeit mit dem Lenkungsausschuss (SteerCo) des Unternehmens eine Gestaltungs-Ergonomie um.

Die Arbeitssituation einordnen

Sobald die zu verbessernde(n) Arbeitssituation(en) definiert ist/sind, muss der Ergonom genau bestimmen, woraus die jeweilige Arbeitssituation besteht. Er wird dem Unternehmen dazu eine Reihe von Fragen stellen, um Folgendes zu klären:

  • das Profil der Beschäftigten (Alter, Geschlecht, Qualifikation, Betriebszugehörigkeit, Erfahrung, Ausbildung usw.);
  • das Ziel ihrer Tätigkeit (Produktion, Kontrolle, Dienstleistung, Betreuung usw.);
  • die Umgebung, in der die Arbeit stattfindet (Lärm, Beleuchtung usw.);
  • die Arbeitsmittel, mit denen die Arbeit ausgeführt wird (vibrierende Maschinen usw.);
  • die Arbeitsweise (Wiederholung derselben Handgriffe, erforderliche Produktionsmenge pro Tag und/oder Monat, Anzahl der Produktionsschritte usw.);
  • den Zeitpunkt der Arbeitssituation (Arbeitszeiten, Arbeitstakt usw.);
  • die Personen, mit denen zusammengearbeitet wird (allein, im Team, unter Aufsicht von Vorgesetzten usw.).

Auswertung von Dokumenten

Die Analyse der Arbeitssituation im Rahmen eines ergonomischen Ansatzes umfasst auch die Prüfung betrieblicher Unterlagen, die dem Ergonom nützliche Informationen über die Gesamtstruktur des Unternehmens sowie über die verschiedenen ausgeübten Tätigkeiten und die damit verbundenen Risiken liefern sollen.

Diese Dokumente sollen dem Ergonom zunächst allgemeine Informationen liefern über:

  • den Umsatz des Unternehmens;
  • die Unternehmensgröße;
  • die Branche, in der das Unternehmen tätig ist;

Je nach den vorliegenden Problemen kann es für den Ergonom zudem sinnvoll sein, Zugang zu folgenden Unterlagen zu erhalten (nicht abschließende Liste):

  • Dokumente zu Fehlzeiten sowie zu Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten;
  • zu Gefährdungsbeurteilung (DUERP) (Art. L4121-3-1 des französischen Arbeitsgesetzbuches) ;
  • in das Register für Warnmeldungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und Umwelt ;
  • in das Register für ernste und unmittelbare Gefahren ;
  • in das Sicherheitsprotokoll des Unternehmens ;
  • in arbeitsplatzspezifische Unterlagen (Stellenbeschreibungen, Sicherheitsdatenblätter usw.).

Um die Konformität der Arbeitsmittel zu überprüfen, kann der Ergonom zudem die Einsichtnahme in Unterlagen zu den verschiedenen verwendeten Geräten (Konformitätsbescheinigungen nach NF-Normen, Bedienungsanleitungen usw.).

Einzelgespräche mit den betroffenen Akteuren

Sobald die dokumentarischen Informationen zusammengetragen wurden, beginnt der Ergonom in der Regel mit einer Reihe von Gesprächen mit den betroffenen Mitarbeitern, um deren persönliche Einschätzung der zu verbessernden Arbeitssituation zu erfahren.

Beobachtung der Arbeitssituation

Zum Abschluss der Analyse führt der Ergonom in der Regel eine direkte Beobachtung der Arbeitssituation unter realen Bedingungen durch. In diesem Schritt werden alle Details der Arbeitsbedingungen erfasst und daraus ein präziser Bericht über die tätigkeitsbezogenen Risikofaktoren erstellt.

Diese Beobachtung kann je nach Situation und den Risiken, denen die Arbeitnehmer ausgesetzt sind, durch Notizen, Videoaufnahmen oder den Einsatz von Messinstrumenten erfolgen. Der Ergonom wendet dabei ein spezifisches Analyseraster an, das in der Regel drei Hauptfaktoren umfasst :

  • die Analyse der Umgebungsfaktoren : Lärmpegel, Lichtverhältnisse, Luftqualität, Umgebungstemperatur usw.;
  • die Analyse der physischen Bedingungen : repetitive Bewegungen, Winkel der Ellbogen, übermäßige Belastungen usw.;
  • die Analyse der kognitiven Anforderungen : zu große Informationsmengen, unzureichende Bedenkzeit für die Arbeitsausführung usw.

Sind die Arbeitnehmer mehreren Faktoren gleichzeitig ausgesetzt, wird diese Risikokumulation ebenfalls in die Analysedaten einbezogen.

Die während der Beobachtung gesammelten Daten werden anschließend geprüft, untersucht und zusammengefasst. Sobald die Analyse der Situation abgeschlossen ist, kann der Ergonom eine Vordiagnose der Situation erstellen, um einen Maßnahmenplan zu entwickeln.

Die Definition des Maßnahmenplans

Der umzusetzende Maßnahmenplan variiert je nach Situation stark. Es ist in diesem Bereich schwierig, allgemeingültige Aussagen zu treffen, da die Faktoren, die eine Arbeitssituation bestimmen, besonders zahlreich sind.

Im Anschluss an die Analyse der Arbeitssituation und um mit der Ausarbeitung des umzusetzenden Maßnahmenplans zu beginnen, muss der Ergonom die Auswirkungen und Risiken der tatsächlichen Arbeit auf den Arbeitnehmer, das Unternehmen und/oder dessen Umfeld ableiten.

Auf Basis der erhobenen Daten, seiner Kenntnisse über menschliche Eigenschaften (Muskelarbeit, Körperhaltung, körperliche Belastung), seiner Analyse der Situation sowie der Berücksichtigung beruflicher Risikofaktoren (article L4161-1 C. trav.) wird der Ergonom einen Maßnahmenplan entwickeln, um die Arbeitsbedingungen an den Arbeitnehmer anzupassen.

Hier sind einige Beispiele für Maßnahmen, die im Rahmen des Maßnahmenplans definiert werden können:

  • Austausch vorhandener Ausrüstung durch ergonomischere Arbeitsmittel (Büroausstattung, Arbeitsgeräte usw.) ;
  • Vermeidung unnötiger Wege;
  • Schaffung von mehr Nähe oder Distanz zwischen den Mitarbeitern;
  • Umgestaltung von Räumlichkeiten (Entfernen oder Einziehen einer Trennwand, Verbreiterung eines Gangs usw.)
  • Schallisolierung einer Maschine;

Sobald der Maßnahmenplan definiert ist, unterbreitet der Ergonom dem Unternehmen einen ersten Vorschlag, woraufhin dieses entscheidet, welche Lösungen umgesetzt werden sollen, unter Berücksichtigung der technischen Möglichkeiten sowie der finanziellen Mittel. Dieser Schritt erfolgt in Zusammenarbeit zwischen dem Ergonom, dem Unternehmen sowie dem Ausschuss für Gesundheit, Sicherheit und Arbeitsbedingungen (CSSCT) des Sozial- und Wirtschaftsausschusses.

Abschließend wird ein Zeitplan erstellt, um die Fristen für die verschiedenen Maßnahmen sowie die für deren Umsetzung verantwortlichen Personen festzulegen.

Rechtliche Grundlagen

Arbeitsgesetzbuch, Artikel L4121-1 bis L4121-5 (allgemeine Präventionsgrundsätze), L4161-1 (berufliche Risikofaktoren)

Bildnachweis: 88560614 @Nataliya Hora