Nach fünfjähriger Arbeit wurde dieISO 45001 für Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit am 12. März 2018 veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung ist bereits verfügbar.
Ein Rückblick auf einen langen und schwierigen Einführungsprozess
Die Einführung einer internationalen Norm für Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA) wurde von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) mehrfach thematisiert, insbesondere in den Jahren 2000 und 2007. Erst im Juni 2013 stimmten die nationalen Normungsorganisationen, die Mitglieder der ISO sind, für die Ausarbeitung einer internationalen SGA-Norm mit dem Namen ISO 45001.
Wie bei jeder ISO-Norm wurde ein Projektkomitee aus Experten für Arbeitsschutz gebildet. Dieses Komitee, ISO/PC 283, traf sich regelmäßig, um die verschiedenen Entwürfe der künftigen Norm zu erarbeiten und zu validieren.
Die DIS-Version wurde einer öffentlichen Umfrage in den verschiedenen Ländern unterzogen und im Mai 2016 negativ bewertet. Nach der Berücksichtigung von rund 3000 Kommentaren wurde im Sommer 2017 ein zweiter DIS-Entwurf zur öffentlichen Stellungnahme vorgelegt. Nach Prüfung von fast 1600 Anmerkungen wurde die FDIS-Version im November 2017 genehmigt und die endgültige Fassung der Norm am 12. März 2018 veröffentlicht.
Frankreich stand einer internationalen Normung im Bereich Arbeitsschutz stets ablehnend gegenüber. Die Argumente waren, dass eine solche Norm mit nationalen Vorschriften konkurrieren würde, dass der Arbeitsschutz in den Bereich der Sozialbeziehungen falle und dass die Entwicklung internationaler Normen zu einer Zertifizierung führen könnte, die zusätzliche Kosten ohne Mehrwert verursache.
Welche Neuerungen gibt es im Vergleich zu anderen SGA-Regelwerken?
Die Entwicklung von SGA-Normen begann 1996 mit der Veröffentlichung der BS 8800; dabei handelte es sich um einen Leitfaden mit Orientierungshilfen und Empfehlungen, der nicht für Zertifizierungszwecke genutzt werden konnte. Da die ISO damals zu dem Schluss kam, dass die Ausarbeitung einer internationalen SGA-Norm nicht zweckmäßig sei, gründete das British Standards Institute (BSI) Ende der 1990er Jahre eine Arbeitsgruppe aus etwa fünfzehn Organisationen verschiedener Länder. Diese veröffentlichte 1999 die Spezifikation OHSAS 18001 sowie 2000 die zugehörigen Leitlinien OHSAS 18002.
Anschließend entstanden weitere Regelwerke, wobei weltweit etwa dreißig SGA-Standards verzeichnet wurden, wobei zwei große Familien koexistierten:
- „Generische“ Regelwerke wie OHSAS 18001, ILO OSH 2001, BS 8800 usw.
- Branchenspezifische oder lokale Regelwerke wie MASE, VCA usw.
Die OHSAS 18001 wurde im Juli 2007 überarbeitet und zur Norm BS OHSAS 18001:2007; sie entwickelte sich zum Referenzstandard für SGA-Managementsysteme, der in über 127 Ländern angewendet und von rund 16.000 Unternehmen zertifiziert wurde.
Die ISO 45001 von 2018 behält Anforderungen der OHSAS 18001 von 2007 bei:
- Das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung gemäß PDCA („Planen, Durchführen, Überprüfen, Handeln“),
- Der Prozess der Risikobewertung zur Identifizierung und Priorisierung von SGA-Risiken,
- Anforderungen zur Prävention von Arbeitsschutzrisiken,
- Verpflichtung zur Einhaltung gesetzlicher und sonstiger Anforderungen mit der Pflicht zur regelmäßigen Bewertung,
- Freiraum für die Organisation bei der Festlegung ihrer Ziele und der zu erreichenden Leistungsniveaus.
Dennoch bringt die ISO 45001 einige wichtige Änderungen mit sich. Zunächst ist die ISO 45001 nach der neuen HLS-Struktur („High Level Structure“) aufgebaut, die von der ISO nun für alle Managementsystemnormen (MSN) vorgeschrieben ist, unabhängig von ihrem Anwendungsbereich (Qualität, Energie, Informationssicherheit usw.). Dieses harmonisierte Format wurde 2012 im Rahmen des „Anhangs SL“ definiert, der den ISO/IEC-Richtlinien beigefügt ist und die Regeln und Verfahren für die Erstellung internationaler Normen festlegt.
Neben der HLS-Struktur enthält dieser Anhang SL grundlegende Begriffe und Definitionen (z. B. Organisation, interessierte Partei, Politik, Ziel, Kompetenz, Konformität) sowie Formulierungen für gemeinsame Anforderungen (z. B. „Die oberste Leitung muss sicherstellen, dass die Verantwortlichkeiten und Befugnisse für relevante Rollen zugewiesen und innerhalb der Organisation auf allen Ebenen kommuniziert werden“), die in allen MSN zu verwenden sind. Ziel ist es, die Implementierung integrierter Managementsysteme zu fördern.
ISO 45001: Welche Frist gilt für die Anpassung des Managementsystems?
DieISO 45001 wird die OHSAS 18001 ersetzen, wobei die Übergangsregeln vom IAF (International Accreditation Forum) festgelegt wurden (vgl. Requirements for the Migration to ISO 45001:2018 from OHSAS 18001:2007, veröffentlicht am 18. Januar 2018). Da eine Übergangsfrist von drei Jahren vorgesehen ist, haben Organisationen bis zum 12. März 2021 Zeit, ihr Managementsystem nach dem neuen Standard zertifizieren zu lassen.
Darüber hinaus kann jede Organisation weiterhin eine Zertifizierung ihres Arbeitsschutzmanagementsystems auf der Grundlage der ILO-OSH 2001-Leitlinien des IAO (Internationales Arbeitsamt) beantragen.
Die ISO 45001:2018 richtet sich somit an Organisationen, die ihre Verantwortung im Bereich Arbeitsschutz systematisch wahrnehmen möchten, und leistet einen Beitrag zur sozialen Säule der nachhaltigen Entwicklung.
Zur Erinnerung: Die ISO 26000:2010, die ISO-Norm zur gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen, wurde im Dezember 2017 bestätigt; eine Überarbeitung wird daher voraussichtlich nicht vor 2020 eingeleitet, sodass eine neue Version nicht vor 2023 verfügbar sein wird.
Erste Erfahrungsberichte ein Jahr nach der Veröffentlichung.





