🤔 Was hat es mit diesem IPCC-Bericht auf sich, von dem alle sprechen?
👉 Es handelt sich um den ersten Teil des neuen IPCC-Berichts (der letzte Sachstandsbericht stammte aus dem Jahr 2014), der unser Verständnis der Klimaentwicklung, ihrer Ursachen sowie ihrer physikalischen Folgen beschreibt. Zwei weitere Teile werden bis Ende 2022 veröffentlicht: Der zweite befasst sich mit den Auswirkungen auf die Biodiversität und die menschliche Gesellschaft sowie mit Anpassungsstrategien, und der dritte beschreibt den aktuellen Stand der Lösungen zur Bekämpfung der Erderwärmung, indem Emissionen begrenzt und eine nachhaltige Zukunft gestaltet werden.
🤔 Aber sind das beim IPCC nicht alles ideologische Öko-Aktivisten?
👉 Nein: Der Bericht ist wissenschaftlich unangreifbar. Es wurde eine enorme Arbeit geleistet (234 Autoren, 14.000 Referenzen…). Es handelt sich um eine beispielhafte Synthese der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur, die einen echten wissenschaftlichen Konsens herausarbeitet. Jede Aussage im Bericht wird sorgfältig nach dem Grad der Sicherheit gewichtet, den die Autoren ihr beimessen („it is {likely / very likely / extremely likely} that…“). Man kann ihm also vertrauen. Dieser Bericht geht weit über parteipolitische Logiken hinaus.
🤔 Gibt es noch Zweifel am menschlichen Einfluss auf den Klimawandel?
👉 Nein: Einer der ersten Sätze des Berichts stellt klar: „It is unequivocal that human influence has warmed the atmosphere, ocean and land.“ Und es handelt sich nicht einfach um die Beschleunigung eines natürlichen Prozesses: Die Durchschnittstemperatur steigt nahezu linear mit der Menge des vom Menschen ausgestoßenen CO2. Wir befinden uns in der wärmsten Periode seit über 100.000 Jahren, und dieser Trend wird sich so schnell nicht umkehren.

🤔 Welche Folgen sind zu erwarten?
👉 Die erste offensichtliche Folge des Klimawandels ist ein Anstieg der Durchschnittstemperaturen. Je nach Entwicklung der Treibhausgasemissionen werden verschiedene Szenarien in Betracht gezogen, die von +1,4 °C bis +4,4 °C im Jahr 2100 im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter reichen. Aber Vorsicht: Das sind nur Durchschnittswerte. Dieser Anstieg ist regional nicht einheitlich. Insbesondere in den kontinentalen Zonen und den Polarregionen werden die Temperaturanstiege deutlich stärker ausfallen. Zudem werden Hitzewellen zunehmen. Wir müssen den zweiten Teil des Berichts abwarten, um eine Vorstellung von den Auswirkungen dieser Entwicklungen auf unsere Gesellschaften zu bekommen, aber es ist bereits jetzt offensichtlich, dass die Veränderungen in einigen Regionen so radikal sein werden, dass man sich nicht einfach darauf verlassen kann, dass „der Mensch sich schon anpassen wird“.
Zu den weiteren Folgen gehört ein Anstieg des Meeresspiegels um 0,5 bis 1 Meter bis zum Jahr 2100, je nach Szenario. Blickt man auf das Jahr 2300, könnte der Anstieg bis zu 7 Meter oder sogar 15 Meter betragen – ein Szenario, das nicht auszuschließen ist. Ich überlasse es Ihrer Vorstellungskraft, sich die Konsequenzen auszumalen. Bei 7 Metern wäre die Insel Noirmoutier praktisch verschwunden und nur das Stadtzentrum von Arles würde noch aus dem Wasser ragen. In einigen Ländern wird die Lage dramatisch sein.
Es ist zudem zu beachten, dass die globale Erwärmung den Wasserkreislauf beschleunigt, was zu einer Zunahme der Niederschläge in vielen Regionen führen wird. Doch auch hier müssen die Folgen genau regional untersucht werden, da sich in anderen Gebieten die Dürreperioden verschärfen werden.
🤔 Aber ich hatte einen miserablen Sommer! Ich glaube nicht an all das.
👉 Und doch: Der Fall Frankreich im Juli und August 2021 war sehr speziell und auf ein außergewöhnliches meteorologisches Phänomen, ein sogenanntes Kaltlufttropfen-Ereignis, zurückzuführen. Überall um uns herum gab es sehr wohl Hitzewellen. Man befürchtet sogar eine Nudelknappheit aufgrund der Hitzewelle in Kanada und der Überschwemmungen in Europa, die die weltweite Produktion von Hartweizen beeinträchtigt haben.
Darüber hinaus erinnert der IPCC-Bericht daran, dass die Temperaturschwankungen innerhalb eines Jahrzehnts erheblich sind. Lassen Sie sich also nicht täuschen und achten Sie weiterhin auf die allgemeinen Trends und das Gemeinwohl.
🤔 Ist es noch möglich, den Trend umzukehren?
👉 Ja und nein. Die Schuldigen sind bekannt. Es sind vor allem die Emissionen von Kohlendioxid, Methan und Lachgas. Da der Zusammenhang zwischen der globalen Erwärmung und diesen Emissionen bekannt ist, lässt sich leicht ein CO2-Budget ableiten, das je nach angestrebtem Szenario nicht überschritten werden darf.
Wir wissen also, was zu tun ist: Wir müssen daran arbeiten, diese Emissionen in unseren Aktivitäten zu reduzieren. Dies erfordert zunächst ein kollektives Umdenken. Danach liegt es an jedem Einzelnen, ob Privatperson oder Industrieunternehmen, die eigenen Emissionen durch die Umsetzung des folgenden Dreischritts zu reduzieren:
1. Messen (Erfassung aller für eine präzise Berechnung unserer CO2-Emissionen erforderlichen Daten)
2. Analysieren (Die wichtigsten Emissionsquellen identifizieren)
3. Handeln (Einen Plan zur Emissionsreduzierung umsetzen und überwachen).
Auch wenn wir das Ausmaß des Klimawandels begrenzen können, wurden grundlegende Trends bereits in Gang gesetzt, die unumkehrbar sind – insbesondere in den Ozeanen (Temperaturanstieg, Versauerung, Sauerstoffverlust...). Was auch immer wir tun, die Eiskappen werden über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende weiter schmelzen und der Meeresspiegel wird weiter steigen. Alles, was wir heute tun können, ist den Schaden zu begrenzen. Und das ist bereits eine ganze Menge!
🤔 Na gut, einverstanden. Ich muss mich da genauer informieren. Wie gehe ich am besten vor?
👉 Den vollständigen Bericht (3 949 Seiten!) zu lesen, kommt nicht infrage; er ist eher als enzyklopädisches Nachschlagewerk zu betrachten. Es gibt jedoch zahlreiche Zusammenfassungen. Erwähnenswert ist auf jeden Fall die 42-seitige Zusammenfassung des IPCC (auf Englisch), die zwar etwas technisch ist, aber bei guten Englischkenntnissen durchaus verständlich bleibt. Sie enthält zahlreiche Grafiken und Abbildungen. Wenn Sie nur fünf Minuten Zeit haben, lesen Sie zumindest deren Kurzfassung von 2 Seiten. Unter den deutschsprachigen Quellen ist besonders BonPote hervorzuheben, die eine für alle zugängliche Zusammenfassung erstellt haben.





